{"id":4065,"date":"2025-12-03T16:35:38","date_gmt":"2025-12-03T15:35:38","guid":{"rendered":"https:\/\/kernsverlag.com\/die-jahresexkursion-der-gfu-ins-pyrenaeenvorland-frankreichs-und-in-die-schweiz-vom-19-bis-26-mai-2024\/"},"modified":"2025-12-03T16:45:19","modified_gmt":"2025-12-03T15:45:19","slug":"die-jahresexkursion-der-gfu-ins-pyrenaeenvorland-frankreichs-und-in-die-schweiz-vom-19-bis-26-mai-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/die-jahresexkursion-der-gfu-ins-pyrenaeenvorland-frankreichs-und-in-die-schweiz-vom-19-bis-26-mai-2024\/","title":{"rendered":"The Annual Excursion of the GfU to the Pyrenean Foothills of France and to Switzerland, May 19-26, 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"authors-information\">\n<strong>Apostolos Milionis, Brigitte Vogel-Milionis<\/strong>\n<\/div>\n<p>An Pfingsten fuhren 42 Mitglieder der GfU mit dem Busunternehmen Bayer von Ehingen mehr als 3500 km bis ins franz\u00f6sische Pyren\u00e4envorland.<\/p>\n<h2>1. Tag, Pfingstsonntag 19.05.2024<\/h2>\n<p>Erstes Ziel war das <strong>Lat\u00e9nium &#8211; parc et mus\u00e9e d\u2019arch\u00e9ologie<\/strong> &#8211; im schweizerischen Neuch\u00e2tel. Die Funde aus dem am \u00f6stlichen Ufer des Neuenburger Sees liegenden Moores bei La T\u00e8ne gaben der vorr\u00f6mischen Periode der sp\u00e4ten Eisenzeit n\u00f6rdlich der Alpen, der Lat\u00e8nezeit (450 v. Chr. \u2013 50 n. Chr.), ihren Namen.<\/p>\n<p>Bis zur F\u00fchrung blieb gen\u00fcgend Zeit zur Entspannung im Au\u00dfengel\u00e4nde.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte arch\u00e4ologische Museum der Schweiz geh\u00f6rt zu den UNESCO-Welterbest\u00e4tten \u201ePr\u00e4historische Pfahlbauten um die Alpen\u201c, nachdem dort und um den See neben jungpal\u00e4olithischen Lagerpl\u00e4tzen und neolithischen Dorfstrukturen umfangreiche bronzezeitliche Pfahlbau-Siedlungen aus der Zeit von 4300 bis 700 v. Chr. gefunden wurden. Ein Arch\u00e4ologiepfad am Ufer f\u00fchrt vorbei an Schautafeln, exemplarischen Bodendenkm\u00e4lern und Funden aus der Region. Dazu geh\u00f6ren u.a. Menhire, die Nachbildung eines im Wasser versenkten gallo-r\u00f6mischen Lastkahns, einer eisenzeitlichen Br\u00fccke der Helvetier, eines bronzezeitlichen Pfahlhauses und Rekonstruktionen der \u00d6kosysteme seit der Eiszeit.<\/p>\n<p>Besonders eindrucksvoll ist der Abguss des Begehungshorizonts des 400\u00a0Tonnen schweren \u201eRiesenblocks von Monruz\u201c, der eine 16\u00a0500 bis 15\u00a0200 Jahre alte Freilandstation von J\u00e4gern mit einer F\u00fclle von Details bewahrt hat und bei Stra\u00dfenarbeiten geborgen wurde. Im Begehungshorizonts finden sich neben einer Feuerstelle, Rentier- und Pferdeknochen sowie Silex-Pfeilspitzen auch die im Museum pr\u00e4sentierten R\u00f6telpl\u00e4ttchen und (wie am 170\u00a0km entfernten Petersfels bei Engen) auch ein Lochstab, Schnecken aus dem Steinheimer Becken und drei nur 1,8\u00a0cm kleine weibliche Gagat-Figurinen des Magdal\u00e9nien.<\/p>\n<p>Im Museum wurden wir in 2 Gruppen direkt zu den H\u00f6hepunkten der vorgeschichtlichen Sammlung gef\u00fchrt. Gleich zu Beginn sind zur Evolutionsgeschichte des Menschen verschiedene Sch\u00e4delabg\u00fcsse von Homininen jeweils mit typischem Werkzeug aufgereiht. Ein netter Gag: <span class=\"fachbegriff\">Homo sapiens<\/span> wird mit einem Schweizermesser gezeigt.<\/p>\n<p>Einen der \u00e4ltesten Belege f\u00fcr Neandertaler in der Schweiz bietet der 40\u00a0000 Jahre alte Oberkiefer der \u201eDame von Cotencher\u201c aus der vornehmlich von H\u00f6hlenb\u00e4ren bewohnten Grotte bei Rochefort. Im Magdal\u00e9nien-Lager von Hautesrives-Champr\u00e9veyres fanden sich 15\u00a0000 Jahre alte Belege f\u00fcr die Domestikation des Wolfes.<\/p>\n<p>Beeindruckend war der Film zu einem \u201eJagdunfall\u201c eines jungen Cro Magnon-J\u00e4gers, der vor etwa 14\u00a0000 Jahren oberhalb des Doubs in der Le Bichon-H\u00f6hle auf einen B\u00e4ren traf; wie die erst sp\u00e4ter im B\u00e4renknochen entdeckte Silexspitze zeigt, hatten beide das Treffen nicht \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>Beispielhafte Entwicklungen von Werkzeugen und Techniken, die im Zusammenhang mit der Sesshaftigkeit im Neolithikum zu sehen sind, z.B. Anwendung von Steinbeilen, Erfindung des Stangenholms mit Loch vor 3\u00a0800 Jahren, bessere Haltbarmachung von Lebensmitteln in Keramikgef\u00e4\u00dfen, etwa der Horgener Kultur, die weitreichenden Handelsbeziehungen und die Besiedelung im bzw. am Gew\u00e4sser sowie ein vor 5\u00a0000 Jahren in einer Mauer begrabener Hund werden gezeigt.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit ist der im Museum pr\u00e4sentierte 3,30\u00a0m hohe und 3\u00a0Tonnen schwere Statuen-Menhir aus Bevaix\/Treytel-\u00c0 Sugiez, der in der Zeit zwischen 4\u00a0600 und 3\u00a0700 v. Chr. errichtet wurde, und zu Beginn des 3. Jahrtausends f\u00fcr eine neuerliche Nutzung mit Augen und Nase und Einritzungen von H\u00e4nden und Rippen bzw. Brustbesatz dekoriert wurde.<\/p>\n<p>Aus der Keltenzeit stammen einige spektakul\u00e4re Funde, die auf Kultorte (oder ein Milit\u00e4rlager? einen Ungl\u00fccksort anl\u00e4sslich einer \u00dcberschwemmung?) hindeuten: Die meisten Funde stammen aus der 2. H\u00e4lfte des 3. Jahrhunderts und wurden dendrochronologisch datiert. Es fanden sich menschliche Skelette, auch Sch\u00e4del von Frauen und Kindern, mit Spuren von Hieben und Kerben und erhaltener Hirnsubstanz (! \u2013 Menschenopfer? Gefangene?), Pferdesch\u00e4del mit Durchlochung, vermutlich zum Aufspie\u00dfen auf Pf\u00e4hlen, zahlreiche Waffen (teilweise absichtlich zerst\u00f6rte Schwerter mit Stempelmarken), reichverzierte Schwertscheiden, Lanzen, Schild mit Schildbuckel aus Eisen, Wagenbestandteile, Werkzeuge, pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde sowie Schmuck. Dies alles stammt aus dem Umfeld einer Br\u00fccke. War das eine Schaub\u00fchne f\u00fcr Zeremonien und Rituale, waren es \u201eTroph\u00e4en\u201c oder \u201eReliquien\u201c?<\/p>\n<p>Nach wie vor r\u00e4tselhaft ist, warum in der bronzezeitlichen Fundschicht kleine R\u00e4der gefunden wurden, zu denen es keine Pendants im t\u00e4glichen Gebrauch gibt.<\/p>\n<h2>2. Tag, Pfingstmontag 20.05.2024<\/h2>\n<p>Wir fuhren zum 2015 er\u00f6ffneten Nachbau der <strong>Grotte Chauvet<\/strong> mit Besucherzentrum, eingebettet in die grandiose Landschaft \u00fcber dem Tal der Ard\u00e8che. Von Anfang an war hier der Schutz der Originalh\u00f6hle zentrales Thema.<\/p>\n<p>Nomadisch lebende J\u00e4ger und Sammler waren nach derzeitigem Erkenntnisstand in einer Zeit von mindestens 36\u00a0500 \u2013 33\u00a0500 BP (also im Aurignacien) und von 31\u00a0000 \u2013 28\u00a0000 BP (im Gravettien) in der H\u00f6hle pr\u00e4sent. Nach einem Einsturz um ca. 29\u00a0000 BP und einem weiteren Verschluss um ca. 21\u00a0000 BP war der Zugang verschlossen.<\/p>\n<p>Bis zur F\u00fchrung blieb Zeit, das Gel\u00e4nde individuell zu erkunden. Die bunte Multimediashow \u201eAnimal\u201c, untermalt von mitrei\u00dfender rhythmischer Trommelmusik, zeigt die Ver\u00e4nderungen der Fauna und der Umwelt mit bildlichen Darstellungen von der Vorgeschichte bis zur aktuellen Street Art.<\/p>\n<p>Auf dem Gel\u00e4nde verteilt gibt es u.a. Informationen zur Geologie der Schlucht, zur Entdeckung der Originalgrotte im Jahr 1994 und zur Datierung der Malereien. In einem weiteren Geb\u00e4ude wird das Aurignacien mit Themen zu Flora und Fauna bis zu den Darstellungen und den angewandten Techniken n\u00e4hergebracht. Wir hatten unseren Spa\u00df beim Introfilm und dem spontan in der Gruppe ausgerufenen \u201eSuche-den-Fehler-Spiel\u201c (hellh\u00e4utige Menschen, erkennbar synthetische Bekleidung der Darsteller, Frauen fehlen bei der Jagd, falsche Fl\u00f6tent\u00f6ne\u2026).<\/p>\n<p>Wir besuchten die von zahlreichen Wissenschaftlern, K\u00fcnstlern und technischen Mitarbeitern akribisch erstellte Schauh\u00f6hle in 2 Gruppen. Auf 36 Stufen ging es vom Eingang hinab (quasi jede Stufe 1\u00a0000 Jahre). Wir waren mit Audioguides ausgestattet, f\u00fcr die an bestimmten Punkten die zugeordneten Beitr\u00e4ge ausgel\u00f6st werden. Leider war die F\u00fchrerin, die uns parallel mit einer Taschenlampe die beschriebenen H\u00f6hepunkte zeigen sollte, selten synchron, da sie die Spitze der 20-k\u00f6pfigen Gruppe bildete und so schon viel weiter oder gar schon fertig war, wenn bei den Letzten die Einspielungen starteten. Diese Form der einst\u00fcndigen F\u00fchrung wurde unseren Erwartungen leider nicht gerecht.<\/p>\n<p>Dennoch waren wir ergriffen von den Meisterwerken. Die mehrdimensionalen Formen und Strukturen der H\u00f6hlenw\u00e4nde und die Textur des Untergrunds wurden von grandiosen K\u00f6nnern erfasst und mit zielsicherem Strich, Schattierungen, Volumen und Perspektive zu szenischen Kompositionen verkn\u00fcpft. Ein \u00fcberragendes Zeugnis von komplexem Denken. Man m\u00f6chte zu gerne wissen, was sich die Menschen damals dabei dachten und was sie f\u00fchlten. Alle schwarzen Darstellungen stammen \u00fcbrigens ausschlie\u00dflich aus dem Aurignacien.<\/p>\n<p>Zu entdecken gibt es auf 27 Wandbildern hunderte Tierdarstellungen, meist gr\u00f6\u00dfere S\u00e4ugetiere, u.a. selten dargestellte Woll-Nash\u00f6rner (<span class=\"fachbegriff\">Coelodonta antiquitatis<\/span>), H\u00f6hlenb\u00e4ren (<span class=\"fachbegriff\">Ursus spelaeus<\/span>), H\u00f6hlenl\u00f6wen (<span class=\"fachbegriff\">Panthera spelaea<\/span>), und Moschusochsen (<span class=\"fachbegriff\">Ovibos moschatus<\/span>), aber auch negative und positive Handabdr\u00fccke, interessante Symbole wie claviforme Zeichen, einem l\u00e4ngsgespiegelten P \u00e4hnlich, die im franko-kantabrischen Raum bekannt sind, zudem Punkte, Kreisfl\u00e4chen, ein \u201eInsekt\u201c oder getrennt durch Calcit-St\u00e4be eine \u201eSchmetterlingsform\u201c, die dem Umriss eines Adlers \u00e4hnelt.<\/p>\n<p>Ein besonderer H\u00f6hepunkt im Brunel-Saal ist das 20\u00a0cm kleine Mammut, dessen Umrisse bereits im Wandrelief vorhanden waren und nur durch rote Farbe hervorgehoben wurden. Zudem ist dort ein Rhinozeros nur mit roten Handballenabdr\u00fccken geformt. In der B\u00e4renkammer, in der viele B\u00e4rensch\u00e4del konserviert wurden, liegt ein H\u00f6hlenb\u00e4ren-Sch\u00e4del auff\u00e4llig auf einem Kalkblock drapiert. Ein weiterer Abschnitt beeindruckt mit roten Ocker-Zeichnungen im Bereich von Calcit-Konkretionen, wo gelbe und rote Fl\u00e4chen an Boden und W\u00e4nden das gro\u00dfe Fresko einbetten. Hier sticht ein weibliches Wollnashorn mit m\u00e4chtig langem Horn heraus, das von Gro\u00dfkatzen und menschlichen Handabdr\u00fccken umrahmt ist. Am Fu\u00dfe des Frieses befindet sich eine vermutlich zusammengestellte Gruppe von Steinbl\u00f6cken.<\/p>\n<p>Wieder aufgenommen wird in der Megaloceros-Galerie das Motiv des Wollnashorns, das sich wie der gegen\u00fcberliegende Riesen-Hirsch (<span class=\"fachbegriff\">Megaloceros giganteus<\/span>) nach rechts dreht. Die Zeichnungen sind mit einem Werkzeug eingraviert und mit Kohle nachgezeichnet. In der Mitte der Galerie sind neben drei Schamdreiecken weitere Tiere (Steinbock, Wollnash\u00f6rner, Riesenhirsche und Pferde) dargestellt. Hier sind Dutzende von Feuerstellen erhalten.<\/p>\n<p>Im Hillaire-Saal begegnet man einer v\u00f6llig anderen Technik. \u00dcber \u00e4lteren Kratzspuren von B\u00e4renklauen wurden auf 6\u00a0Metern 13 Tiere mit den Fingern dynamisch mit gezieltem Schwung in den weichen Lehm gekratzt, so dass der hellere Untergrund sichtbar wird. Die M\u00e4hne eines Pferdes wurde schlicht mit Fingerabdr\u00fccken dargestellt. Und einmalig: Der Uhu, der seinen Kopf um 180\u00a0Grad dreht, und dessen Fl\u00fcgel mit wenigen Fingerstrichen gekonnt gestaltet wurden. Er wird von auff\u00e4lligen kreisrunden Symbolen begleitet. Darunter befindet sich ein durch klaren Strich und wenige Linien dargestelltes Pferd, bei dem sein Urheber die Form des Gesteins aufnahm, die den Bauch formt.<\/p>\n<p>Das Herzst\u00fcck sind die eindeutig komponierten Darstellungen der Endkammer mit 92 Tieren. Hier knistert es buchst\u00e4blich, wenn in den in Schwarz und Graustufen gehaltenen Zeichnungen das anschleichende L\u00f6wenrudel hellwach zum Angriff bereit ist, wenn sich zwei m\u00e4chtige Nash\u00f6rner kurz vor dem Zusammensto\u00df ihrer massigen K\u00f6rper gegen\u00fcberstehen, wenn eine L\u00f6win und ein L\u00f6we kurz vor der Begattung aufeinandertreffen. Wohl am bekanntesten: die Komposition der vier Pferde, mit individuellem Ausdruck in unterschiedlichen Altersstufen aufgereiht. Ein Bison (<span class=\"fachbegriff\">Bos priscus<\/span>) stampft daher. Darunter f\u00e4llt ein junges Mammut mit tapsigen Puschel-F\u00fc\u00dfen ins Auge. Die Wiederholung der Rhinozerusk\u00f6pfe und -h\u00f6rner ist ein grandioses Bild voller Dynamik, Bewegung, Masse und Intensit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ganz am Ende ein weiterer Glanzpunkt: Der herabh\u00e4ngende gro\u00dfe Steinkonus, bemalt mit einem Bison und einer L\u00f6win, verschmolzen mit dem Unterk\u00f6rper einer Frau (<span lang=\"fr\">\u201eLe Pendant \u00e0 la V\u00e9nus\u201c<\/span>). Die konkrete Interpretation bleibt uns verschlossen. Es gibt auch Fu\u00dfspuren eines etwa 8-j\u00e4hrigen Jungen, die m\u00f6glicherweise mit Fackelspuren zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Auf vielfachen Wunsch besuchten wir spontan noch den Pont d\u2019Arc unten im <strong>Tal der Ard\u00e8che<\/strong>, um dessen im Laufe von Millionen Jahren entstandene Monumentalit\u00e4t und den Zusammenhang mit der Chauvet-H\u00f6hle in dieser grandiosen Landschaft zu ermessen. W\u00e4hrend die meisten Teilnehmer einen Spaziergang zum Flu\u00dfufer vorzogen, um im Nachmittagslicht den Blick auf den 50\u00a0m hohen und 60\u00a0m breiten Pont d\u2019Arc zu genie\u00dfen (Abb. 1), machte sich ein Teil unter Zeitdruck auf den anstrengenden und anspruchsvollen Aufstieg (150\u00a0m) zum aktuellen H\u00f6hleneingang. Das \u201eTor\u201c des Pont d\u2019Arc k\u00f6nnte, von dort oben gesehen, kaum besser platziert sein. Vor der vielfach gesicherten Stahlt\u00fcre gab Martin mit seiner selbst gefertigten \u201eSteinzeitfl\u00f6te\u201c eine beeindruckende Einlage, die die besondere Stimmung des Ortes aufnahm. Manfred verlieh spontan allen, die die M\u00fche des Aufstieges auf sich genommen und sich bew\u00e4hrt hatten, die \u201eechte\u201c Vollmitgliedschaft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4055\" aria-describedby=\"caption-attachment-4055\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb1-450x800.jpg\" alt=\"Pont d\u2019Arc\" width=\"450\" height=\"800\" class=\"size-large wp-image-4055\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb1-450x800.jpg 450w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb1-169x300.jpg 169w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb1-768x1365.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb1-864x1536.jpg 864w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb1-1152x2048.jpg 1152w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb1-300x533.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb1-600x1067.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb1-scaled.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4055\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 1: Pont d\u2019Arc.<br \/>Photo: Brigitte Vogel-Milionis.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>3. Tag, Dienstag 21.05.2024<\/h2>\n<p>Zun\u00e4chst f\u00fchrte uns eine sehr lange Fahrt ins okzitanische Pyren\u00e4envorland nach <strong>Tautavel<\/strong>, der Partnerstadt von Mauer bei Heidelberg. Die junge Arch\u00e4ologin Malvina f\u00fchrte uns im \u00f6rtlichen Museum mitten in die Fundgeschichte, die nahegelegene Fundstelle der Caune de l\u2019Arago, die Datierungstechniken und das Leben des <span class=\"fachbegriff\">Homo heidelbergensis<\/span> ein: \u201eMauer hat dem <span class=\"fachbegriff\">Homo heidelbergensis<\/span> den Namen gegeben und ist viel \u00e4lter, aber wir haben mit 151 Fundst\u00fccken von 20 Individuen die meisten fossilen \u00dcberreste\u201c. Der hier gef\u00fchrte Kampf um die wissenschaftliche Wahrheit, den Abb\u00e9 Jean Abelanet und das jahrzehntelang engagierte Ehepaar Lumely mit einer von der katholischen Kirche gepr\u00e4gten Gesellschaft und deren lange f\u00fcr absolut betrachteten Sch\u00f6pfungsgeschichte f\u00fchrten, ist exemplarisch f\u00fcr die Probleme der Urgeschichtsforschung bis in die zweite H\u00e4lfte des vergangenen Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Das Kernst\u00fcck der Funde ist \u201eArago XXI\u201c, der 450\u00a0000 \u2013 400\u00a0000 Jahre alte Sch\u00e4delfund aus dem Jahre 1971, dessen rekonstruiertes Skelett einen 160-165\u00a0cm gro\u00dfen und etwa 80\u00a0kg schweren Menschen zeigt. Er steht in einer Reihe mit dem sehr gut erhaltenen Unterkiefer von Mauer und den Funden aus der Sima de los Huesos der Sierra de Atapuerca sowie aus Petralona in Griechenland. Er wurde mit verschiedenen Methoden (u.a. mittels der Uranium-Thorium-Datierung, der Elektronenspinresonanz-Datierung aus Z\u00e4hnen, der stratigraphischen Analysen von Lumely, paleomagnetischen Untersuchungen, und den vergleichenden Faunenanalysen), fundiert zeitlich bestimmt. Die archaische Morphologie des Sch\u00e4dels weist eine robuste Front mit kr\u00e4ftigen Augenoberwulsten, aber auch komplexe Z\u00e4hne und sehr dicke Knochen auf. Die Zusammenschau der europaweiten Funde weist darauf hin, dass aus dem Homo heidelbergensis der sp\u00e4tere Neandertaler hervorging.<\/p>\n<p>Weiter gezeigt werden die Jagd, sowie Bearbeitung und Nutzung der Beute. Die in den Fundschichten geborgenen Steinwerkzeuge (Chopper, Kratzer, Faustkeile, aber kein Silex) sind typisch f\u00fcr das Alt-Acheul\u00e9en (Altpal\u00e4olithikum). Da keine Feuerstellen entdeckt wurden, wird im Zusammenhang mit den Erkenntnissen zum Kauapparat (Morphologie f\u00fcr den Konsum rohen Fleisches) davon ausgegangen, dass die Menschen von Tautavel Feuer noch nicht nutzten. Ein Gang durch das Diorama im UG mit den Themen Landschaft, Klima (130\u00a0km\/h Wind, 1 Monat Sommer 10 Grad, zu kalt zum Regnen!), Flora und Fauna erg\u00e4nzen die zuvor gesehene biostratigrafische Knochensammlung von Wirbeltieren (u.a. Moschusochse, Ren, Thar-Ziege, Wollelefant, Mufflon, Pferd, Bison, Hirsch, H\u00f6hlenl\u00f6we, Panther, Wildkatze, Polarfuchs, und ein Hy\u00e4nen-Koprolith) sehr anschaulich.<\/p>\n<p>Die gezeigten Frakturen an Knochen von Tautavel-Menschen und feine Einschnitte erinnern an die Bearbeitung von Beutetieren, um an deren Knochenmark zu gelangen. Diese menschlichen Knochen und Z\u00e4hne wurden unter Essensresten und Werkzeugen gefunden. Andererseits fehlten Knochen von H\u00e4nden, F\u00fc\u00dfe und Thorax; R\u00fcckschl\u00fcsse auf Ursache und Hintergr\u00fcnde (Kannibalismus, Kult?) m\u00fcssen offenbleiben.<\/p>\n<h2>4. Tag, Mittwoch 22.05.2024<\/h2>\n<p>Ein Tag mit ganz gro\u00dfem Programm: Grotte de Niaux, Parc Pr\u00e9histoire Tarascon und Mus\u00e9e Mas d\u2019Azil sowie die dazugeh\u00f6rige Grotte.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ging es auf schmalen Wegen hinauf zur <strong>Grotte de Niaux<\/strong>, deren Portal mit einer begehbaren rostbraunen Eisenkonstruktion des italienischen Architekten Fuksas weithin sichtbar ist (Abb. 2). Unser Bus konnte problemlos unter dem Portal parken. Von der eisernen Terrasse mit informativen Tafeln bietet sich ein gro\u00dfartiger Blick ins Tal. In 2 versetzten Gruppen unternahmen wir den gef\u00fchrten Spaziergang hinein zum 800\u00a0m entfernten Salon Noir. Der Weg war etwas anspruchsvoll und hatte glitschige Passagen und Wasserpf\u00fctzen, in denen sich manch einer nasse F\u00fc\u00dfe holte. Die durch Gletschererosion entstandene H\u00f6hle ist f\u00fcr sich schon ein grandioses Erlebnis mit ihren weitr\u00e4umigen S\u00e4len und Passagen, die sich mit engen Durchg\u00e4ngen abwechseln.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4056\" aria-describedby=\"caption-attachment-4056\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb2-450x800.jpg\" alt=\"Niaux Viewing Plattform\" width=\"450\" height=\"800\" class=\"size-large wp-image-4056\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb2-450x800.jpg 450w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb2-169x300.jpg 169w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb2-768x1365.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb2-864x1536.jpg 864w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb2-1152x2048.jpg 1152w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb2-300x533.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb2-600x1067.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb2-scaled.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4056\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 2: Niaux Viewing Plattform.<br \/>Photo: Brigitte Vogel-Milionis.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Man ist bald umgeben von gro\u00dfen Tropfsteinen. An den H\u00f6hlenw\u00e4nden tauchen historische Graffitis und Jahreszahlen (ab 1602) auf, mit denen sich Besucher verewigen wollten, die manche Sch\u00e4den (abgeschlagene Tropfsteine u.a.) hinterlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Bis zum Jahr 1906 waren sich die Besucher nicht im Klaren dar\u00fcber, dass sie auf jahrtausende alte Darstellungen blickten. An einigen Stellen tauchten r\u00e4tselhafte Claviformen auf. Ferner Gruppen mit schwarzen und roten Punkten und Strichen. Im Boden haben sich Gravuren von Bison und Fischen erhalten.<\/p>\n<p>Deutlich vor dem Salon Noir wurden wir gebeten, unsere Handlampen abzustellen. In der Dunkelheit gingen wir dicht am Gel\u00e4nder entlang, bis auch die F\u00fchrerin ihre Lampe l\u00f6schte: absolute Dunkelheit und Stille \u2026 Als sie dann die erste Wandmalerei vor uns beleuchtete, ging ein Raunen durch die Gruppe: nur wenige Meter entfernt sahen wir Pferde, Steinb\u00f6cke, einen Hirsch, Bisons, teilweise mit Pfeilen und Zeichen versehen. Hier standen wir vor den Originalkunstwerken. Besonders beeindruckend sind die detailreichen Bisons, die mit schwarzem Manganoxid ausgef\u00fchrt sind. Manche Tiere haben eindeutig Augenbrauen mit ausgepr\u00e4gten W\u00fclsten, B\u00e4rte und Wammen, mithin die anatomischen Kennzeichen des Wisents bzw. Europ\u00e4ischen Bisons (<span class=\"fachbegriff\">Bos bonasus<\/span>). Was spielte sich in der H\u00f6hle unter dieser riesigen Kuppel ab? Wir \u00fcberzeugten uns durch gemeinsames Singen und Fl\u00f6tenspiel von der guten Akustik, die damals eine Rolle bei der Nutzung der H\u00f6hle gespielt haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu der auf der anderen Seite des Tals gegen\u00fcberliegenden Grotte de la Vache haben die Menschen des Magdal\u00e9niens hier nicht gelebt. Niaux diente offenbar einer anderen Nutzung (Kultst\u00e4tte?). Erst ab 1906 wurden das Alter und die Bedeutung der Darstellungen von Commandant Molar erkannt. Abb\u00e9 Henri Breuil und \u00c9mile Cartailhac unterzogen den Salon Noir im Jahre 1907 einer systematischen Untersuchung.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Verpflegungs-Stopp im Supermarkt besuchten wir, ausgestattet mit Audioguides, den <strong>Parc de la Pr\u00e9histoire bei Tarascon sur Ari\u00e8ge<\/strong>. Dort finden sich in der Ausstellung u.a. die \u201efac-simil\u00e9s\u201c von Fu\u00dfspuren aus der D\u00fcne des R\u00e9seau de Clastre in Niaux. Sie wurden 2013 im Rahmen eines Forschungsprojekts namibischen San-J\u00e4gern und F\u00e4hrtenlesern gezeigt, um ihre Einsch\u00e4tzung zu den Fu\u00dfg\u00e4ngern zu erhalten. Allerdings stellten diese wohl schnell fest, dass die Kopien im Museum immer nur denselben Fu\u00dfabdruck zeigten. Im Museumsbau konnten nochmals die Wandabschnitte mit den Bisons aus der Grotte de Niaux, aber auch Darstellungen aus der Grotte de Gargas (27\u00a0000 BP) und der sehr interessanten, teilweise \u201epointilistischen\u201c Darstellungen in der Grotte de Marsoulas (18\u00a0000 \u2013 17\u00a0500 BP) studiert werden. Erg\u00e4nzt wird die Ausstellung durch medial angereicherte Darstellungen zum Klima und insbesondere mit eindrucksvollen Modellen der Gro\u00dffauna. Im gro\u00dfen Freigel\u00e4nde waren Entspannung und der Besuch von Werkst\u00e4tten oder Aktivit\u00e4ten m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Das St\u00e4dtchen <strong>Mas-d\u2019Azil<\/strong> hat ein kleines, aber feines <strong>Museum<\/strong> mit au\u00dfergew\u00f6hnlichen Originalfunden aus der nahe gelegenen Grotte, wie Harpunen, Speerschleuder-Enden und Werkzeuge. Viele davon sind kunstvoll geschnitzt, graviert und verziert. Wir lie\u00dfen uns von Vitrine zu Vitrine treiben, w\u00e4hrend uns Kurt Langguth auf Details aufmerksam machte und diese erkl\u00e4rte. Mehrere halbfertige Tierkopfdarstellungen geben Aufschluss \u00fcber ihre Herstellung aus den Schulterbl\u00e4ttern von Rentieren. Beeindruckend ist das Endst\u00fcck einer Speerschleuder mit 3 Pferdek\u00f6pfen in verschiedenen Altersstufen.<\/p>\n<p>Ein Highlight ist das Speerschleuder-Ende mit dem \u201efaon aux oiseaux\u201c (Abb. 3), das Tier mit V\u00f6geln am Hinterteil, ein verbreitetes Motiv, das im Pyren\u00e4enraum 8-mal gefunden wurde. Wir diskutierten, ob die V\u00f6gel auf frischem Kot sitzen oder ob es sich aufgrund der Wendung des Kopfes und der K\u00f6rperhaltung der Pyren\u00e4engams und der Proportionen nicht eher doch um eine Geburtsszene handelt. Das Objekt hatte ausweislich seiner Durchlochungen wohl urspr\u00fcnglich einen Holzgriff und war insgesamt so fragil, dass es weniger der praktischen Jagd dienen konnte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4057\" aria-describedby=\"caption-attachment-4057\" style=\"width: 706px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb3.jpg\" alt=\"Mas d\u2019Azil. Faon aux oiseau\" width=\"706\" height=\"569\" class=\"size-full wp-image-4057\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb3.jpg 706w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb3-300x242.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb3-600x484.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 100vw, 706px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4057\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 3: Mas d\u2019Azil. Faon aux oiseau.<br \/>Photo: Zunkir, https:\/\/fr.wikipedia.org\/wikiFichier:Faon_aux_oiseaux_detail.jpg#filelinks<br \/>Lizenz: CC BY 4.0<\/figcaption><\/figure>\n<p>Interessant ist auch die aus der Wurzel eines Pferdeschneidezahns geschnitzte 5\u00a0cm gro\u00dfe feminine Figurine \u201eLa Dame\u201c (mehr als 15\u00a0000 Jahre alt). Ferner beeindrucken das auf einem seltenen Pottwal-Zahn geschnitzte Relief mit Steinbock in Horizontale auf der einen und anderem Steinbock vertikal auf der anderen Seite, sowie ein weiteres Objekt mit einem wundervoll posierenden Auerhahn. R\u00e4tselhaft ist eine anthropomorphe Figurine mit erigiertem m\u00e4nnlichem Geschlecht und einer sehr gro\u00dfen B\u00e4rentatze mit ausgefahrenen Krallen vor der Brust. Weitere Fragen stellen sich beim ebenso alten, gewaltsam abgetrennten Sch\u00e4del der 15-20-j\u00e4hrigen \u201eMagda\u201c. Hier wurde ein in der Augenh\u00f6hle befindliches Pl\u00e4ttchen aus einem Wirbels\u00e4ulen-Querfortsatzes (Rentier) gefunden. Der Unterkiefer fehlte und alle \u00fcbrigen Z\u00e4hne waren entfernt. Ein entsprechendes Pl\u00e4ttchen (aus dem anderen Auge?) wurde unter Tierknochen-Fragmenten gefunden. Zufall oder Ritual? Aufgrund der komplizierten Fundsituation muss diese Frage offenbleiben.<\/p>\n<p>Als Zugabe zum angek\u00fcndigten Programm fuhren wir noch zur <strong>Grotte Mas d\u2019Azil<\/strong>. Sie ist eine gigantische, beidseitig offene, durch den Flu\u00df Arize im Terti\u00e4r durchbrochene Karstformation. Nachdem die Kreide ausgewaschen war, haben Vergletscherungen und Erosion das Ihrige geleistet. Unser Busfahrer fuhr tats\u00e4chlich auf der kurvenreichen 420\u00a0m lange Strecke der D\u00a0119 entlang der Arize durch die Grotte. Der anschlie\u00dfende Spaziergang zwischen Fluss und Stra\u00dfe durch die 30 \u2013 50\u00a0m breite und bis zu 50\u00a0m hohe Tunnelh\u00f6hle ist ein landschaftliches und akustisches Erlebnis, das wir auf keinen Fall missen m\u00f6chten. Auf den verschiedenen Galerien siedelten Menschen vom Aurignacien bis ins Azilien (35\u00a0000 \u2013 11\u00a0500 BP und j\u00fcnger). Die Fundstellen auf den Galerien auf der gegen\u00fcberliegenden Seite des Flusses und das Museum waren nicht zug\u00e4nglich. Vielen Dank f\u00fcr dieses zus\u00e4tzliche Highlight.<\/p>\n<h2>5. Tag, Donnerstag 23.05.2024<\/h2>\n<p>Die <strong>Grotte de Bedeilhac<\/strong> erwartete uns auf 690\u00a0m \u00fcber Meeresh\u00f6he mit einem riesigen 57\u00a0m hohen Portal, in dessen Schlund nicht nur unser Bus Platz fand. Wir erhielten eine F\u00fchrung in 2 Gruppen.<\/p>\n<p>Im vorderen Bereich sind die Fundpl\u00e4tze komplett zerst\u00f6rt. Sie wurden u.a. Opfer riesiger Ausr\u00e4umungen bis zu 390\u00a0m weit hinein. Die Deutsche Wehrmacht besetzte nach 1940 die Halle f\u00fcr die Reparatur von Junkers-Flugzeugen. Ein im hinteren Bereich der Halle abgestelltes Flugzeug erinnert an Start und Landung des Piloten Georges Bonnet 1972 und 1974.<\/p>\n<p>Die H\u00f6hle war der Bev\u00f6lkerung fr\u00fch bekannt, wobei urspr\u00fcnglich die geologische Attraktion und die Kulisse f\u00fcr Veranstaltungen im Vordergrund standen.<\/p>\n<p>Hinter der Halle steigt man \u00fcber Tropfsteinformationen auf das eigentliche Niveau der H\u00f6hle hinauf. Man passiert den \u201eB\u00e9nitier\u201c (das Taufbecken), eine st\u00e4ndig von oben tropfende Wasserquelle mit kleinem Brunnenbassin.<\/p>\n<p>Tiefer in einer gro\u00dfen Halle erwartete uns ein riesiger herabgest\u00fcrzter Stalaktit, der etwa 800\u00a0000 Jahre alt ist. An anderer Stelle folgt eine Konkretion von 160\u00a0m Umfang, die bisher ein Einst\u00fcrzen der Decke verhindert.<\/p>\n<p>Bei den magdal\u00e9nienzeitlichen Darstellungen \u00fcberwiegen Bisons, die mit schwarzer Kohle oder zweifarbig gezeichnet wurden.<\/p>\n<p>In der Galerie de Modelage sind unter einem nur 70\u00a0cm hohen \u00dcberhang Bisons versteckt. Sie sind als flache Reliefs mit den Fingern in den Lehmboden geformt worden. Die Urheber hatten wenig Platz und mussten kriechen. Ferner formten sie eine Vulva, erg\u00e4nzt mit einem Steinchen als Klitoris. Uns werden mit geh\u00f6rigem Abstand und zum Schutz des Bodens nur Repliken hiervon gezeigt. Fr\u00fcher noch vorhandene Fu\u00dfabdr\u00fccke sind nahezu verschwunden. Mittels Spiegel sind unter einem tiefer h\u00e4ngenden Felsen (also f\u00fcr einen Unwissenden nicht erkennbar) vornehmlich Gravuren und wenige Striche oder Punkte (u.a. Bison und Mammut) sichtbar. Auf dem R\u00fcckweg sahen wir noch positive Handabdr\u00fccke und ihnen gegen\u00fcber gibt es eine Inszenierung mit einem Phallus in roter Farbe.<\/p>\n<p>Auch hier wurden im Eingangsbereich ein Endst\u00fcck einer Speerschleuder mit einem \u201e<span lang=\"fr\">faon \u00e0 l\u2019oiseau<\/span>\u201c und ein graviertes Pl\u00e4ttchen mit einem Wisent gefunden.<\/p>\n<p>Nachmittags besuchten wir die <strong>Grotte de La Vache<\/strong>. Der kleine Spazierweg hinauf wird mit toller Aussicht auf die gegen\u00fcberliegende Grotte von Niaux mit ihrer kunstvollen Stahlplattenkonstruktion belohnt. Flankiert ist der Pfad von Natursteinmauern und Felsen mit reichlich Wildbl\u00fcten und Insekten. Die Grotte La Vache ist ein mehr als 16\u00a0000 Jahre alter Lagerplatz. Hier wurde gelebt. Sie liegt g\u00fcnstig \u201ezwischen den Meeren\u201c und wurde schwerpunktm\u00e4\u00dfig im Herbst und Winter genutzt. Man erkennt deutlich abgegrenzte farbliche Unterschiede zwischen den Schichten. Dunkel steht f\u00fcr die arch\u00e4ologisch relevante Zeit vor bis zu 13\u00a0650 Jahren vor heute. Die Funde erlauben viele R\u00fcckschl\u00fcsse auf das Alltagsleben in jener Zeit. Die Zerlegung der Jagdbeute und Fleischverarbeitung (Steinbock, Saiga-Antilope, Schneehase, Gams, Ren, Kaninchen, Alpen-Schneehuhn) fand hier statt, wie die \u00fcber 140\u00a0000 Fundst\u00fccke belegen. Werkzeuge wurden ebenfalls hier hergestellt. Die J\u00e4ger und Sammler nutzten nicht den in der Region vorhandenen schlechten Silex. Eine Mauer umgibt den Lagerplatz (vielleicht mit einem sch\u00fctzenden Fell davor), im Boden ist ein eingetiefter \u201eKochtopf\u201c erkennbar. Die Darstellungen an den W\u00e4nden und deren Farben erinnern an Niaux.<\/p>\n<p>Nach Verlassen der H\u00f6hle zeigt uns unser F\u00fchrer noch Fotos von mobilen Funden aus La Vache, alle mit Gravuren: der ca. 15\u00a0cm lange L\u00f6wenfries, auf einem Hirschgeweih eine Gruppe von J\u00e4gern, die einen Auerochsen jagt, ein Geweih (\u201eZepter\u201c) mit L\u00f6we und Fisch, die 16\u00a0cm lange Ellipse mit dem \u201espringendem Pferd\u201c in einer Landschaft, eine Hirschkuh mit 2 Fischen, ein junges Ren und ein br\u00fcnftiges m\u00e4nnliches Rentier, das einem weiblichen folgt. Und ganz anr\u00fchrend: eine Szene mit einer B\u00e4renfamilie, wobei ein kleiner B\u00e4r sich dem Betrachter zuwendet (Abb. 4).<\/p>\n<figure id=\"attachment_4058\" aria-describedby=\"caption-attachment-4058\" style=\"width: 703px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb4.jpg\" alt=\"La Vache - bear family engravings\" width=\"703\" height=\"396\" class=\"size-full wp-image-4058\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb4.jpg 703w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb4-300x169.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb4-600x338.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 703px) 100vw, 703px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4058\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 4: La Vache &#8211; bear family engravings.<br \/>Photo: Apostolos Milionis.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Schlie\u00dflich ging die Fahrt zum ganz besonderen, weil privaten <strong>Anwesen der Familie B\u00e9gou\u00ebn<\/strong>, in Pujol im Dorf Montesquieu-Avant\u00e8s\/Ari\u00e8ge. Sie wohnen herrlich gelegen auf dem Land mit Schl\u00f6sschen, Bauernhof und privatem Museum. Wir wurden von Comte Robert B\u00e9gou\u00ebn herzlich begr\u00fc\u00dft. Er selbst f\u00fchrte den ersten Teil der Gruppe durch das Museum und sein Studierzimmer, w\u00e4hrend sein Sohn \u00c9ric de B\u00e9gou\u00ebn den zweiten Teil der Besucher \u00fcbernahm. Einf\u00fchrend berichtete er von seiner au\u00dfergew\u00f6hnlichen Familie, die in der pr\u00e4historischen Arch\u00e4ologie eine herausragende Bedeutung hat. In seinem Studierzimmer ist der Wahlspruch \u201eVivitur ingenio \u2013 cetera mortis erunt\u201c (man lebt durch den Geist \u2013 alles andere ist sterblich) zu lesen. Sein Gro\u00dfvater Comte Henri B\u00e9gou\u00ebn (1863 \u2013 1956) hatte seine 3 S\u00f6hne Max, Jacques und Louis zur Erforschung der urgeschichtlichen Fundorte im Umfeld der Familieng\u00fcter angespornt. Im Jahre 1911 stie\u00df Jacques in der Grotte d\u2019Enl\u00e8ne auf ein Speerschleuderende aus Rentiergeweih aus dem Magdal\u00e9nien, dessen urgeschichtliches Alter durch \u00c9mile Cartailhac, den ersten Lehrstuhlinhaber f\u00fcr Vorgeschichte in Toulouse, best\u00e4tigt wurde. Nach einem Betretungsverbot durch den benachbarten Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer f\u00fcr die Grotte d\u2019Enl\u00e8ne machten sich die drei Jungen auf die Suche nach neuen H\u00f6hlen. Im Jahre 1912 entdeckten sie mit einem Flo\u00df auf dem B\u00e4chlein Volp die riesige H\u00f6hle von Tuc d\u2019Audoubert mit wundersch\u00f6nen pr\u00e4historischen Gravuren. Im Oktober desselben Jahres gelangten sie nach 700\u00a0m durch eine mit Stalaktiten versperrte Engstelle in den heute so genannten \u201eSalle des Bisons d\u2019Argile\u201c, wo sie die vor 14\u00a0000 Jahren aus Lehm geformten Steppenbisons fanden. Das ber\u00fchmte Telegramm \u201eDie Magdal\u00e9nien haben auch Ton modelliert\u201c beantwortete \u00c9mile Cartailhac mit \u201eIch komme\u201c. Im Jahr 1914 stie\u00dfen sie auf Hinweis eines Bauern auf eine \u00d6ffnung, aus der ein Luftzug zu versp\u00fcren war, und sie entdeckten die ber\u00fchmte H\u00f6hle, die sp\u00e4ter \u201eTrois Fr\u00e8res\u201c genannt werden sollte. In ihr fanden sie 400\u00a0m vom Eingang entfernt eine Ikone der vorgeschichtlichen Darstellungen, den \u201eSorcier\u201c. Es handelt sich um ein geh\u00f6rntes Mischwesen mit b\u00e4rtigem Gesicht, Eulenaugen, Rentiergeweih, dem Ohr eines Wolfes, einem Adlerschnabel, K\u00f6rperteilen des Bisons, Pferdeschwanz, L\u00f6wenpfote, mit m\u00e4nnlichem Geschlecht und Beinen vom Menschen. Mit weit ge\u00f6ffneten Augen sieht er dem Betrachter entgegen. Besonders verdienstvoll war die Entscheidung der Familie, das Gel\u00e4nde (40\u00a0Hektar) vollst\u00e4ndig zu erwerben, nicht zu kommerzialisieren, vielmehr die H\u00f6hlen aus konservatorischen Gr\u00fcnden nur wenigen ausgew\u00e4hlten Fachleuten auf markierten Wegen zu \u00f6ffnen. Die Oberfl\u00e4che wird den Bauern kostenlos mit der Ma\u00dfgabe zur Verf\u00fcgung gestellt, keine Eingriffe in den Untergrund vorzunehmen. Viele Bereiche bleiben auch in den n\u00e4chsten Jahrzehnten unzug\u00e4nglich, um sp\u00e4teren Generationen von Wissenschaftlern mit besseren Methoden noch die Erforschung und Beurteilung der Originalfundstellen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4059\" aria-describedby=\"caption-attachment-4059\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb5-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb5-800x450.jpg\" alt=\"Comte Robert B\u00e9gou\u00ebn greeting the GfU excursion participants\" width=\"800\" height=\"450\" class=\"size-large wp-image-4059\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb5-800x450.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb5-300x169.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb5-768x432.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb5-1536x865.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb5-2048x1153.jpg 2048w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb5-1920x1080.jpg 1920w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb5-600x338.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4059\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 5: Comte Robert B\u00e9gou\u00ebn greeting the GfU excursion participants. Photo: Apostolos Milionis.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Museumsraum kamen wir nicht mehr aus dem Staunen heraus. Unser Gastgeber hatte f\u00fcr uns zus\u00e4tzlich aus dem Tresor ganz besondere Objekte aus dem Gravettien und Magdal\u00e9nien bereitgelegt. Aus der Grotte Les Trois Fr\u00e8res bewunderten wir die einzigartige Darstellung einer Heuschrecke und aus der Grotte d\u2019Enl\u00e8ne die eines anatomisch genau dargestellten Rindes in ausdrucksvoller Pose. Wir sahen beeindruckende Abbildungen von Wolf, Eulen, Lachs und Mammut sowie eine in der Fundschicht belassene Nadel. Wir erfuhren, dass in Trois Fr\u00e8res kleine Objekte (Rentierzahn, Hirschzahn, Gagat, Silex, B\u00e4renzahn und Teile einer Jakobsmuschel) bewusst in die Wand eingef\u00fcgt wurden. Wir sahen aus dem \u201eSanctuaire\u201c die Gravur des gro\u00dfen Phallus und darunter eine als Vulva deutbare nat\u00fcrliche Felsformation, die mit roter Farbe versehen ist. Daneben Szenen wirrer Tier-Gravuren und des \u201ekleinen Sorciers\u201c mit Musikbogen und H\u00f6rnern. Dar\u00fcber schwebend die mit Kohle gezeichnete Figur des \u201eSorcier\u201c. Zum Schluss durften wir die Replik der einzigartig aus dem H\u00f6hlenlehm modellierten Wisente bewundern.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die zweite Gruppe im Ausstellungsraum gef\u00fchrt wurde, betraten wir ehrfurchtsvoll das Studierzimmer, wo uns u.a. auch Literatur zu den Funden aus unserer Region und eine Replik der \u201eVenus vom Hohle Fels\u201c auffielen. Wir hatten die M\u00f6glichkeit die Bildb\u00e4nde zu den H\u00f6hlen zu erwerben. Diese wurden mit einer pers\u00f6nlichen Widmung des Comte \u201egeadelt\u201c (Abb. 5, Abb. 6).<\/p>\n<figure id=\"attachment_4060\" aria-describedby=\"caption-attachment-4060\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb6-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb6-450x800.jpg\" alt=\"Comte Robert B\u00e9gou\u00ebn in his study\" width=\"450\" height=\"800\" class=\"size-large wp-image-4060\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb6-450x800.jpg 450w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb6-169x300.jpg 169w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb6-768x1364.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb6-865x1536.jpg 865w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb6-1153x2048.jpg 1153w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb6-300x533.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb6-600x1066.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb6-scaled.jpg 1441w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4060\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 6: Comte Robert B\u00e9gou\u00ebn in his study.<br \/>Photo: Apostolos Milionis.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Schlie\u00dflich erz\u00e4hlte uns Comte Robert B\u00e9gou\u00ebn noch eindrucksvolle Ereignisse aus seiner Kindheit im 2. Weltkrieg, als seine Familie von deutschen Soldaten bedr\u00e4ngt, und das Anwesen nach Waffen durchsucht wurde. Nicht auszudenken, was mit den wertvollen Funden geschehen w\u00e4re, wenn sie bei der Durchsuchung mehr Interesse gefunden h\u00e4tten und in die H\u00e4nde der Nazis gefallen w\u00e4ren. Weiter berichtete er, wie sich sein Gro\u00dfvater als Unterst\u00fctzer der Resistance der Gestapo entziehen konnte. Er zitierte aus dem Brief eines deutschen Feldwebels der Wehrmacht, der Ende 1957 Kontakt zur Familie aufgenommen hatte und darin berichtete, wie er die Unterlagen, die von der Gestapo zu Comte Henri B\u00e9gou\u00ebn erstellt worden waren, heimlich verschwinden lie\u00df.<\/p>\n<p>Wir bewundern die Fachkenntnis, die Beharrlichkeit und den Respekt f\u00fcr das Welterbe durch die Mitglieder der Familie B\u00e9gou\u00ebn. Seit vier Generationen k\u00fcmmern sie sich um den Erhalt der H\u00f6hlen und ihrer Sch\u00e4tze. Sie werden durch den gemeinn\u00fctzigen eingetragenen Verein \u201eL\u2019Association Louis B\u00e9gou\u00ebn\u201c &#8211; ganz im Gegensatz zu vielen (durch Besucher, Forscher, Klima) bereits zerst\u00f6rten und gef\u00e4hrdeten H\u00f6hlen und Darstellungen &#8211; bewahrt und gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Dank der meisterlichen K\u00fcnste von Bernhard R\u00f6ck konnten wir zur Verabschiedung eine Elfenbein-Replik des 40\u00a0000 Jahre alten L\u00f6wen aus dem Vogelherd \u00fcberreichen.<\/p>\n<p>Als wir das Anwesen verlassen wollten, setzte sich der Bus beim Wendeman\u00f6ver in der angrenzenden Wiese fest. Die beiden Gastgeber verst\u00e4ndigten kurzerhand ein benachbartes Bauernpaar, die unter gro\u00dfem Applaus mit ihrem Traktor den Bus befreiten und sich \u00fcber ein deutsches Bier freuten. Auch in dieser Situation bewies unser Busfahrer Thorsten, dass seine gute Laune und Gelassenheit nicht so leicht zu ersch\u00fcttern sind.<\/p>\n<p>Nach langer Fahrt und einigen Umwegen aufgrund von Stra\u00dfensperrungen kamen wir m\u00fcde und mit erheblicher Versp\u00e4tung im Hotel in Toulouse an. Gleichwohl erhielten wir noch ein Abendessen mit Saucisse de Toulouse, der regionalen Wurst-Spezialit\u00e4t.<\/p>\n<h2>6. Tag, Freitag 24.05.2024<\/h2>\n<p>Aufgeteilt in 2 Gruppen besuchten wir das kleine <strong>Museum Nestplori@<\/strong> und die <strong>Grotte de Gargas<\/strong> auf 550\u00a0m \u00fcber Meeresh\u00f6he. Das Museum bereitet u.a. mit interaktiven Bildschirmen und Filmbeitr\u00e4gen auf die Darstellungen, insbesondere die ber\u00fchmten Handabdr\u00fccke (mehr als 230), vor. Die Menschen waren hier vom Gravettien (ca. 27\u00a0000 \u2013 25\u00a0000 BP) bis zum Magdal\u00e9nien (ca. 13\u00a0000 BP) anwesend. Im Ausgangsbereich entdeckte man Wohnspuren der Menschen. Steinpl\u00e4ttchen mit gravierten Tierdarstellungen fanden sich in der Gravettienschicht und entsprechen den Darstellungen in der H\u00f6hle, wodurch die Datierung sehr erleichtert wurde.<\/p>\n<p>In der 90-min\u00fctigen detaillierten F\u00fchrung durch die beiden mittlerweile verbundenen H\u00f6hlen begegneten uns in der oberen kleineren H\u00f6hle Gargas II, die schon 1758 beschrieben wurde, Spuren der Neuzeit, n\u00e4mlich Graffiti. Es bedurfte mehr als 30 Jahre Grabungskampagnen bis F\u00e9lix Regnault im Jahre 1906 die Darstellungen der H\u00e4nde an den W\u00e4nden als arch\u00e4ologisch relevant wahrnahm. Hinabsteigend sahen wir &#8211; man k\u00f6nnte auch hier an eine bewusste \u201eChoreografie\u201c bzw. Komposition denken &#8211; eine heute fast verschwundene Hand am Eingang, dann rote Flecken, 5 schwarze Punkte und einen roten Fleck im Kreuzungsbereich sowie offenbar bewusst platzierte Knochensplitter in Felsritzen. Es folgen ganz am Ende dieser Grotte Darstellungen von 2 Steinb\u00f6cken in rot und schwarz. Zuvor geht links ein Kamin hinauf, der nur unter Schwierigkeiten mit Hilfsmitteln erklommen werden kann, und neben Symbolen im oberen Bereich noch eine Tierdarstellung aufweist.<\/p>\n<p>Durch einen k\u00fcnstlich geschaffenen Durchgang gelangten wir in die gr\u00f6\u00dfere und flachere Grotte Gargas I. Unser F\u00fchrer Nicola zeigte uns Apparaturen, die die Klimaver\u00e4nderungen in der H\u00f6hle aufzeichnen. W\u00e4hrend die Temperatur 40\u00a0m unten im Felsen \u00fcber Jahrtausende stabil blieb, ist es nunmehr seit dem Jahr 2000 um 1 Grad w\u00e4rmer geworden. In diesem H\u00f6hlenteil beeindruckt vor allem eine etwa 150\u00a0x 100\u00a0cm gro\u00dfe Fels\u00f6ffnung, die mit viel roter Farbe bemalt ist und als Vulva interpretiert wird. Sie wird links durch eine schwarze Hand und rechts durch einen roten Punkt begrenzt. Ber\u00fchmt ist die H\u00f6hle wegen der Ensembles mit Handabdr\u00fccken in schwarz, rot, einigen in ocker und talkwei\u00df. Die Negativabdr\u00fccke sind meist nicht komplett, es fehlen an 144 H\u00e4nden ein oder mehrere Finger. Man geht heute \u00fcberwiegend davon aus, dass diese Abdr\u00fccke aus dem Gravettien (27\u00a0000 BP und j\u00fcnger) durch das Abknicken einzelner Fingerglieder geschaffen wurden; f\u00fcr die Bedeutung gibt es unterschiedliche Erkl\u00e4rungen. Ferner gibt es eine Vielzahl (150) ineinander und \u00fcbereinander in den Felsen geritzte Umrisse von Tieren aus 3 stilistischen und damit korrespondierenden, unterschiedlichen klimatischen Phasen (Bison, Steinbock, Pferd), die wir gr\u00f6\u00dftenteils leider nicht sehen konnten. Kurz vor dem heutigen Ausgang befindet sich ein Wohnbereich aus dem Gravettien mit einer Vielzahl weiterer Handabdr\u00fccke. Man darf auf die Ergebnisse der aktuellen Grabungen in einer Aurignacien-Schicht gespannt sein.<\/p>\n<p>Auf der Weiterfahrt machen wir einen kurzen Stopp an der Originalfundst\u00e4tte des <strong>Abri d\u2019Aurignac<\/strong> \u00fcber dem Fl\u00fcsschen Ruisseau Rhodes (auf 350\u00a0m H\u00f6he). Es waren die fr\u00fchen <span class=\"fachbegriff\">Homo sapiens<\/span>, die hier lagerten, und ihrer ersten bekannten Kultur in West-Eurasien ihren Namen \u201eAurignacien\u201c gaben. Kurt Langguth erkl\u00e4rte uns u.a. die schwierige stratigrafische Fundsituation vor Ort.<\/p>\n<p>H\u00e4tten wir den Spazierweg entlang des Fl\u00fcsschens in Richtung Aurignac genommen, w\u00e4ren wir an der Statue des uns wohlbekannten L\u00f6wenmenschen aus dem Hohlenstein-Stadel vorbeigekommen. Wir fuhren zum <strong>Mus\u00e9e de l\u2019Aurignacien<\/strong>, wo sich die engagierte Arch\u00e4ologin Marie Soubira zun\u00e4chst ausgiebig ihrem Lieblingsthema der Ausgrabungsgeschichte, der Evolutionsgeschichte und vor allem der Person \u00c9douard Lartet widmete. Beim Stra\u00dfenbau entdeckte 1852 ein Arbeiter zuf\u00e4llig Knochen und Z\u00e4hne von S\u00e4ugetieren, was er Lartet berichten lie\u00df. Mit den folgenden Grabungen in Aurignac im Jahre 1860 und sp\u00e4ter in weiteren H\u00f6hlen (Le Moustier, Gorges d\u2019Enfer, Les Eyzies, La Madeleine, Le Pech de l\u2019Az\u00e9) wandte sich Lartet der Pal\u00e4ontologie und Urgeschichte zu. Er ver\u00f6ffentlichte u.a. seine Entdeckungen \u00fcber die Koexistenz von Gro\u00dfs\u00e4ugern und Menschen, und brachte lithische Artefakte in Zusammenhang mit den zoologischen Funden. 1864 lieferten gravierte Rentier-Objekte aus La Madeleine den entscheidenden Beweis f\u00fcr die Existenz pr\u00e4historischer Kunst und er stellte seine Erkenntnisse bei der Weltausstellung 1867 aus. 1869 wurde Lartet zum Professor f\u00fcr Pal\u00e4ontologie am Nationalmuseum f\u00fcr Naturgeschichte in Paris ernannt. 1913 wurde der Fundort nach langem Streit zum Eponym f\u00fcr die \u00e4lteste arch\u00e4ologische Kultur des europ\u00e4ischen Jungpal\u00e4olithikums, dem Aurignacien, das von ca. 40\u00a0000 bis 30\u00a0000 vor heute datiert wird.<\/p>\n<p>Wir erfuhren noch viel \u00fcber Klima und Fauna der Eiszeit. Frau Soubira hob die \u00fcberragende Bedeutung des Rentiers f\u00fcr das \u00dcberleben des Menschen hervor. Leider verblieb uns dann nur noch wenig Zeit f\u00fcr den Genuss der weiteren Ausstellung. Es freute uns, Repliken von vielen \u201eunserer\u201c Kunstwerke aus dem Vogelherd und dem Hohle Fels an prominenter Stelle ausgestellt zu sehen.<\/p>\n<p>Immer wieder ist es sch\u00f6n mitanzusehen, wie sich unsere arch\u00e4ologisch ausgebildeten F\u00fchrer \u00fcber unsere mitgebrachten Geschenke (Literatur der GfU und des Urmu, kleiner Elfenbeinschmuck) freuen und diese offensichtlich sch\u00e4tzen. Unsere F\u00fchrerin zeigte sich geradezu begeistert. Unbedingt wollte sie das edle Material von Bernhard R\u00f6cks getragenem Anh\u00e4nger mit der Venus von Lespugue mit eigenen H\u00e4nden f\u00fchlen.<\/p>\n<h2>7. Tag, Samstag 25.05.2024<\/h2>\n<p>Wir deckten uns zun\u00e4chst im Supermarkt mit Proviant f\u00fcr die R\u00fcckfahrt ein. Danach fuhren wir zu der Grotte de Cougnac\/Payrignac-Lot, die an diesem Samstag extra f\u00fcr uns und eine nachfolgende Gruppe \u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Der junge Arch\u00e4ologe \u201ePetit Jean\u201c Mazet, ein Nachkomme des gleichnamigen Pr\u00e4historikers und Erforschers der H\u00f6hle, f\u00fchrte die erste Gruppe und Francis Jach die zweite. Die Grotte liegt unter einem H\u00fcgel auf 190\u00a0m H\u00f6he. Auf Hinweis eines W\u00fcnschelruteng\u00e4ngers wurde 1949 der versch\u00fcttete Eingang der ersten H\u00f6hle mit Tropfsteinformationen und nat\u00fcrlichen Konkretionen gefunden. 1952 wurde die 2. H\u00f6hle mit den au\u00dfergew\u00f6hnlichen pr\u00e4historischen Darstellungen entdeckt.<\/p>\n<p>Der Weg zur Grotte f\u00fchrt durch ein paradiesisch anmutendes Stein- und Kermeseichenw\u00e4ldchen, in dem zwischen locker stehenden B\u00e4umen zahlreiche bl\u00fchende Orchideen und seltene Schmetterlinge beobachtet werden konnten.<\/p>\n<p>Nach \u00d6ffnen der T\u00fcre standen wir zun\u00e4chst im Abri, welches von den Bewohnern des direkt dar\u00fcber gelegenen Anwesens mit einer Mauer und T\u00fcre verschlossen und als Keller genutzt wurde.<\/p>\n<p>Die 200 m lange Grotte de Cougnac mit 3 Galerien ist zwischen 3\u00a0und 6\u00a0m hoch. Die H\u00f6hle weist insgesamt 505 Motive auf, davon meist geometrische Zeichen, 25 Umrisszeichnungen von Tieren und 5 anthropomorphe Figuren. Neben den Tierzeichen befinden sich h\u00e4ufig zweiteilige Fingerabdr\u00fccke aus Holzkohle. Erstere sind aus dem Gravettien (25\u00a0100 \u2013 22\u00a0000 Jahren), letztere wurden von Menschen des Magdal\u00e9niens vor 15\u00a0000 \u2013 14 000 Jahren erg\u00e4nzend aufgetragen. Der Zeitraum, der die Menschen des Magdal\u00e9niens von den Menschen trennte, die den Fries der Tiere gezeichnete hatten, entspricht in etwa der Zeit, die uns von den Menschen des Magdal\u00e9niens trennt. Zu jener Zeit gab es in diesen Breiten keine Riesenhirsche mehr.<\/p>\n<p>Die H\u00f6hle zeichnet sich durch besonders sch\u00f6ne Tropfsteine aus, die, je weiter man vordringt, immer feiner werden. In einem Bereich ist die Decke der H\u00f6hle mit unz\u00e4hligen feinen R\u00f6hren-Stalaktiten, sogenannten \u201eSoda-Strohhalmen\u201c, gespickt. Man w\u00e4hnte sich in einem m\u00e4rchenhaften Kristallpalast. Von den Entdeckern der H\u00f6hle wurde gleich erkannt, dass sich in fr\u00fcheren Zeiten Menschen in der H\u00f6hle aufgehalten hatten, dass Tropfsteine, die das Fortkommen behindert hatten, abgeschlagen wurden. Teilweise sind zwischenzeitlich auf den St\u00fcmpfen neue Stalagmiten gewachsen. In der zweiten Galerie sahen wir bald erste abstrakte Zeichen. An einer glatten Fl\u00e4che ist f\u00fcnfmal ein \u201eaviforme\u201c zu erkennen. Solche Darstellungen sind in vielen franko-kantabrischen H\u00f6hlen zu finden. Ihre Bedeutung ist nicht gekl\u00e4rt, allerdings lassen die Zeichen R\u00fcckschl\u00fcsse auf abstraktes Denken zu.<\/p>\n<p>Neben einer Kuhle am Boden, die einem H\u00f6hlenb\u00e4ren als Schlafplatz diente, finden sich schwarze geometrische Zeichen. Die Decke ist voller d\u00fcnner wei\u00dfer Stalaktiten. Im nachfolgenden gr\u00f6\u00dferen Raum f\u00e4llt eine gro\u00dfe Stalagnatengruppe auf: Andere Tropfsteine wurden entfernt, sodass dieser Stelle einem \u201eAltar\u201c gleicht, um den man bequem herumgehen kann. Der Blick hinter die Stalagnatengruppe l\u00f6ste ein Raunen aus. Wir sahen auf einer glatteren Wand eine Prozession von Steinb\u00f6cken, Mammuts, oft nur mit einer andeutenden R\u00fcckenlinie gezeichnet, und einen auff\u00e4lligen Riesenhirsch. F\u00fcr die Darstellung des Megaloceros hat der K\u00fcnstler die Kante der Felswand benutzt, indem er mit Ockerfarbe dem Relief der Felswand folgte und so Hals und vordere Flanke zeichnete. In die Umrisse des Riesenhirsches wurde eine anthropomorphe Figur ohne Kopf gezeichnet. Es sieht aus, als ob diese von Speeren getroffen wird. Handelt es sich um eine kriegerische Szene oder um eine Art \u201eWoodoo-Puppe\u201c? Wir folgten dem Fries nach rechts. Weitere Tiere, Steinb\u00f6cke und Mammuts, kamen uns entgegen. In der roten Umrisszeichnung eines Mammuts ist eine weitere menschliche Darstellung zu sehen, dieses Mal mit vollst\u00e4ndigem Umriss des K\u00f6rpers einschlie\u00dflich Kopf; die Person scheint zu st\u00fcrzen, getroffen von 7 Speeren.<\/p>\n<p>Unser F\u00fchrer legt Wert darauf, dass wir verstehen, dass dieser H\u00f6hlenraum mit dem \u201eStalagnatenaltar\u201c und dem gro\u00dfen Fries der Tiere ein Treffpunkt f\u00fcr ein soziales Event war, bei dem mit Gesang, Geruch, flackerndem Licht &#8230; alle Sinne angesprochen wurden. Ein Treffpunkt geeignet, eine Gruppe zusammenzuschwei\u00dfen.<\/p>\n<p>Nach dem Besuch dieser ganz besonderen H\u00f6hle hatten wir ausnahmsweise einmal Zeit, in der Natur gem\u00fctlich zu picknicken und der Flora im W\u00e4ldchen Beachtung zu schenken.<\/p>\n<h2>8. Tag, Sonntag 26.05.2024<\/h2>\n<p>Nach langer Fahrt gelangten wir nach Schaffhausen zum Museum Allerheiligen. Im Wechsel wurden wir in 2 Gruppen durch die aktuelle Sonderausstellung \u201eMittelalter am Bodensee &#8211; Wirtschaftsraum zwischen Bodensee und Rheinfall\u201c und die Dauerausstellung zur \u201eArch\u00e4ologie in der Region\u201c mit den Rentierj\u00e4gern am Kesslerloch (17\u00a0500 \u2013 14\u00a0500 BP) gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Erstere Ausstellung erg\u00e4nzt die Gro\u00dfe Landesausstellung \u201eWelterbe des Mittelalters \u2013 1\u00a0300 Jahre Klosterinsel Reichenau\u201c des Arch\u00e4ologischen Landesmuseums Baden-W\u00fcrttemberg in Konstanz.<\/p>\n<p>Der Schwerpunkt wird in Schaffhausen auf Wirtschaft und Handel im Mittelalter zwischen 1\u00a0000 und 1 500 nach Christus gelegt. Die Kl\u00f6ster Reichenau und Sankt Gallen waren im Mittelalter in der Region bestimmend. Zunehmend gewannen B\u00fcrger und St\u00e4dte an wirtschaftlicher und politischer Macht. Umliegende St\u00e4dte schlossen sich in B\u00fcndnissen zu W\u00e4hrungsunionen zusammen und gr\u00fcndeten Handelsniederlassungen in europ\u00e4ischen Zentren. Besondere Bedeutung hatten dabei der Handel mit Salz und Gew\u00fcrzen und der Export von Leinengewebe. Wichtigste Handelswege waren Bodensee und Rhein sowie die B\u00fcndner P\u00e4sse. Oberhalb des Rheinfalls mussten die Waren auf Fuhrwerke verladen und nach Neuhausen transportiert werden, um sie erneut auf Schiffe zu verladen. Dank dieser eintr\u00e4glichen Privilegien und Zolleinnahmen florierte die Region und Schaffhausen wuchs zu einer wohlhabenden Stadt.<\/p>\n<p>Die zweite Ausstellung beginnt mit einer Darstellung der Generationenfolge des Homo: Waren der <span class=\"fachbegriff\">Homo erectus<\/span> vor 60\u00a0000 Generationen und der Neandertaler vor 4\u00a0350 Generationen in Europa pr\u00e4sent, so erschien <span class=\"fachbegriff\">Homo sapiens<\/span> vor etwa 1\u00a0350 Generationen. Vor 600 Generationen hatten die J\u00e4ger am Kesslerloch ihr Jagdlager, vor 250 breitete sich das Neolithikum in der Schweiz aus, vor 100 Generationen gab es die keltische Eisenzeit und nur 40 Generationen zur\u00fcck wirkte Karl der Gro\u00dfe.<\/p>\n<p>Man muss sich klarmachen, dass die Schweiz wegen der weitreichenden Vergletscherung bis vor 16\u00a0000 Jahren \u00fcber relativ wenig Eiszeitfunde verf\u00fcgt. Das Kesslerloch bei Thayngen ist neben dem benachbarten Abri von Schweizersbild eine bedeutende Fundstelle der sp\u00e4ten Eiszeit mit mehr als 100\u00a0000 Funden und liefert erste Siedlungsspuren f\u00fcr die Schweiz. Der Platz diente J\u00e4gergruppen 3\u00a0000 Jahre lang im Sommer als saisonales Lager, wo die Jagdbeute zerlegt, verarbeitet und Werkzeuge hergestellt wurden. Beeindruckend sind Darstellungen, wie der \u201eweidende\u201c, eher br\u00fcnftige, der Spur des Weibchens folgende Rentierbock auf einem Lochstab, Speerschleuderenden mit Rentier-, Pferdekopf und Moschusochse. Die Funde von 1875 verursachten einen regelrechten Hype, der Ausgr\u00e4ber zur Herstellung von \u201eFakes\u201c, wie das \u201eB\u00e4rli\u201c und das \u201eF\u00fcchsli\u201c verleitete. Die Vorlagen f\u00fcr ihre F\u00e4lschungen fanden sie in einem zeitgen\u00f6ssischen Kinderbuch aus dem 19. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Bei dem immer noch eindrucksvollen Kesslerloch-Diorama aus dem Jahr 1939 erlaubte uns die F\u00fchrerin einen Blick hinter die Kulissen. Beim Oberkiefer-Knochen eines Hundes aus der Zeit zwischen 14\u00a0600 &#8211; 14\u00a0100 BP handelt es sich um einen der \u00e4ltesten Belege f\u00fcr die Domestikation des Wolfes. Silexmaterial kam auch aus dem entfernten Norditalien und den Ostalpen.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt wird die Ausstellung noch durch Exponate, die von den ersten Ackerbauern und Viehz\u00fcchtern in der Schweiz stammen und etwa 6\u00a0000 Jahre alt sind. Die Gr\u00e4berkultur spiegelt ver\u00e4nderte gesellschaftliche Vorstellungen wider. Ersten Bestattungen unter Fels\u00fcberh\u00e4ngen und in H\u00f6hlen waren Pfeilspitzen, Werkzeuge aus Stein und Knochen beigegeben. Kindern wurden vor 5\u00a0000 Jahren Kalksteinperlen beigelegt.<\/p>\n<p>Sodann schloss sich der Kreis unserer Exkursion: Wir begegneten den Ausgrabungen aus der Moorsiedlung Thayngen-Weier, die auch zum UNESCO-Weltkulturerbe \u201ePfahlbauten um die Alpen\u201c geh\u00f6rt (3\u00a0822 \u2013 3\u00a0584 v. Chr.). Eine regionale Besonderheit war die \u201ePfyner Kultur\u201c mit Bez\u00fcgen zur Michelsberger Kultur.<\/p>\n<p>Gegen 19 Uhr kehrten wir nach 3.115 gefahrenen Kilometern nach Ehingen zur\u00fcck, m\u00fcde, aber voller wunderbarer Eindr\u00fccke.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt dr\u00e4ngt es uns, ein gro\u00dfes Dankesch\u00f6n an diejenigen zu richten, die diese gro\u00dfartige Exkursion mit so viel Engagement vorbereitet und begleitet haben, namentlich Kurt Langguth und Manfred Gassner. Die Zahl der Teilnehmer (42) war so hoch wie noch nie. Die Planung der Hotels (mit vielen Einzelzimmern) gestaltete sich sehr schwierig. Ein gro\u00dfes Lob und herzlichen Dank auch an unsere geduldigen Dolmetscherinnen Betina Koch und Dorothea Leiser, die nimmerm\u00fcde die mit Fachausdr\u00fccken gespickten Erkl\u00e4rungen bei den F\u00fchrungen in H\u00f6hlen und Museen f\u00fcr alle Teilnehmer verst\u00e4ndlich machten (Abb. 7).<\/p>\n<p>Es soll auch nicht unterschlagen werden, dass das von Kurt und Manfred ausgesprochene Lob an die Teilnehmer der Gruppe als v\u00f6llig berechtigt zu erachten ist: Alle waren stets p\u00fcnktlich und zuverl\u00e4ssig. Mit uns kann man verreisen! Da freuen wir uns schon auf die n\u00e4chste Exkursion.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4061\" aria-describedby=\"caption-attachment-4061\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb7-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb7-800x450.jpg\" alt=\"Participants of the GfU 2024 Excursion\" width=\"800\" height=\"450\" class=\"size-large wp-image-4061\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb7-800x450.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb7-300x169.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb7-768x432.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb7-1536x865.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb7-2048x1153.jpg 2048w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb7-1920x1080.jpg 1920w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6_Exkursion_Abb7-600x338.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4061\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 7: Participants of the GfU 2024 Excursion. Photo: Apostolos Milionis.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Weiterf\u00fchrende Literatur und Informationen zu den Zielorten dieser Exkursion:<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.latenium.ch\/de\/\">Lat\u00e9nium<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TCqYL-z5ODA\">Vortrag Carole Fritz, 12.12.2022 \u00ab Comment la grotte Chauvet a chang\u00e9 notre regard sur l\u2019art pal\u00e9olithique? \u00bb<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/450000ans.com\/\">Mus\u00e9e de Tautavel<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.sites-touristiques-ariege.fr\/de\/\">Grotte de Niaux, Grotte de La Vache, Mas d\u2019Azil, Tarascon sur Ari\u00e8ge, Grotte de Bedeilhac<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/grottesdegargas.fr\/\">Grottes de Gargas<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.tourisme-lot.com\/patrimoine\/grottes\/grottes-de-cougnac\/\">Grottes de Cougnac<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/cavernesduvolp.com\/de\/grottes\">H\u00f6hlen des Vereins Louis B\u00e9gou\u00ebn<\/a> und auf den Seiten <a href=\"https:\/\/www.hominides.com\/\">www.hominides.com<\/a> sowie <a href=\"https:\/\/www.donsmaps.com\/\">www.donsmaps.com<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nAn Pfingsten fuhren 42 Mitglieder der GfU mit dem Busunternehmen Bayer von Ehingen mehr als 3500 km bis ins franz\u00f6sische Pyren\u00e4envorland.\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/die-jahresexkursion-der-gfu-ins-pyrenaeenvorland-frankreichs-und-in-die-schweiz-vom-19-bis-26-mai-2024\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;The Annual Excursion of the GfU to the Pyrenean Foothills of France and to Switzerland, May 19-26, 2024&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[293,552,304],"tags":[],"class_list":["post-4065","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-german","category-mgfu-33","category-open-access-articles","entry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4065","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4065"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4065\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4075,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4065\/revisions\/4075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4065"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4065"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4065"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}