{"id":3661,"date":"2024-12-12T15:57:14","date_gmt":"2024-12-12T14:57:14","guid":{"rendered":"https:\/\/kernsverlag.com\/gfu-jahresfahrt-nach-mittelfrankreich-vom-28-mai-bis-zum-4-juni-2023\/"},"modified":"2024-12-19T17:12:00","modified_gmt":"2024-12-19T16:12:00","slug":"gfu-jahresfahrt-nach-mittelfrankreich-vom-28-mai-bis-zum-4-juni-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/gfu-jahresfahrt-nach-mittelfrankreich-vom-28-mai-bis-zum-4-juni-2023\/","title":{"rendered":"Annual Excursion of the GfU to Central France, May 28 \u2013 June 2, 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"authors-information\">\n<strong>Claudia Pathe (Heimsheim)<\/strong>\n<\/div>\n<h2>1. Tag, Sonntag, 28. Mai 2023: Montb\u00e9liard.<\/h2>\n<p>Gl\u00fccklicherweise ohne Stau sind wir sehr z\u00fcgig bis Montb\u00e9liard gefahren. Dadurch waren wir deutlich vor der nachmitt\u00e4glichen \u00d6ffnung des Muse\u00e9 du Ch\u00e2teau des Ducs de Wurtemberg vor Ort, sodass Zeit zum Erkunden der Altstadt blieb. Montb\u00e9liard bzw. M\u00f6mpelgard war von 1397 bis 1793 Teil des Herzogtums W\u00fcrttemberg, weshalb wir das vertraute W\u00fcrttemberger Wappen an jeder Ecke der Stadt finden konnten.<\/p>\n<p>Das <strong>Muse\u00e9 du Ch\u00e2teau des Ducs de Wurtemberg<\/strong> beherbergt unter anderem eine pal\u00e4ontologische und arch\u00e4ologische Abteilung in einem sch\u00f6nen Geb\u00e4udeteil des herzoglichen Schlosses. Ohne F\u00fchrung haben wir die in der Fachwelt ber\u00fchmten bemalten und geritzten Kiesel von Rochedane aus dem Azilien gefunden; das war nicht ganz so einfach wie erhofft. Die Vitrine mit ein paar wenigen Kieseln steht hinten in einer Ecke, nichts deutet auf die herausragende Bedeutung der Funde hin. Umzeichnungen der Bemalungen und Ritzungen sind zwar teilweise vorhanden, jedoch sehr viel kleiner als die Original-Darstellungen, sodass eine n\u00e4here Betrachtung kaum m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Es ist sehr schade, dass diese au\u00dfergew\u00f6hnlichen Funde nicht in einer ihrer Bedeutung angemessenen Weise pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n<p>Eine lange Wegstrecke f\u00fchrte uns in ein wundersch\u00f6nes Jura-Tal nach <strong>Baume-les-Messieurs<\/strong> mit Wasserfall und Sinterstufen. Wir genossen eine kleine Wanderung durch und \u00fcber die Felsen.<\/p>\n<p>Die Ankunft an unserem ersten Hotel in Lons-le-Saunier bot unserer m\u00fcden Schar eine \u00dcberraschung, denn die T\u00fcr war abgeschlossen und niemand erreichbar. Erst nach einer Viertelstunde konnten wir nach und nach unsere Zimmer beziehen, die Koffer abstellen und schnell ins gegen\u00fcberliegende Restaurant gehen.<\/p>\n<h2>2. Tag, Montag, 29. Mai 2023: Arcy-sur-Cure und Gu\u00e9delon.<\/h2>\n<p>Am Montag konnten wir nur in kleinen Gruppen fr\u00fchst\u00fccken, weil das Hotel nicht gen\u00fcgend Platz im Fr\u00fchst\u00fccksraum hatte. Das stellte die Geduld einiger Teilnehmer hart auf die Probe.<\/p>\n<p><strong>Les Grottes d\u2019Arcy-sur-Cure<\/strong> sind unbedingt eine Reise wert! Im Tal der Cure gibt es zehn nebeneinander liegende H\u00f6hlen, die seit dem Mittelpal\u00e4olithikum bewohnt waren. Wie es sich in solchen \u201eReihenh\u00f6hlen\u201c wohl gelebt hat? Wir haben die <strong>Grande Grotte<\/strong> mit einer F\u00fchrung besichtigt. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Grande Grotte ist traurig anzuschauen. Die H\u00f6hle ist seit Beginn des 20.\u00a0Jahrhunderts touristisch erschlossen und bereits vorher wurden etliche Tropfsteine und sog. Vorh\u00e4nge aus Tropfstein abgeschlagen um in Paris k\u00fcnstliche Grotten auszuschm\u00fccken. 1976 waren die W\u00e4nde derma\u00dfen schwarz vom Fackelru\u00df, dass die H\u00f6hle mit Hochdruckreinigern \u201esauber\u201c gemacht wurde. Bei dieser Aktion gingen sch\u00e4tzungsweise 80\u00a0% der H\u00f6hlenmalereien verloren! Heute noch zu sehen sind rote und schwarze Umrisse und Gravuren von u.a. Mammut, H\u00f6hlenb\u00e4r, Vogel, Hirsch, Wollnashorn, H\u00f6hlenl\u00f6we, Fisch, Riesenhirsch und Steinbock. Viele Handabdr\u00fccke sind in Negativform aufgebracht. Es gibt einen einzigen Positivabdruck, der neben einem nat\u00fcrlich gewachsenen, unbearbeiteten Tropfstein hinterlassen wurde. Auf diesen Tropfstein wurden zwei Ockerpunkte gemalt, die den Eindruck einer Frauenfigur aus Stein vermitteln.<\/p>\n<p>Die Malereien werden in das Ch\u00e2telperronien datiert und viele davon sind im hintersten Bereich der H\u00f6hle noch unter einer sch\u00fctzenden Kalzit-Schicht verborgen. Noch nicht ver\u00f6ffentlicht und nur wenigen Besuchern zug\u00e4nglich ist ein gro\u00dfer Adler, der weit hinten in der H\u00f6hle auf eine Decke nur 40\u00a0cm \u00fcber dem Boden gemalt wurde.<\/p>\n<p>Nur schwer und mit Versp\u00e4tung konnten wir uns von dieser \u2013 trotz allem \u2013 beeindruckenden H\u00f6hle trennen um weiter zur Burgenbaustelle <strong>Gued\u00e9lon<\/strong> zu fahren.<\/p>\n<p>Seit 1995 wird in Gu\u00e9delon an der Rekonstruktion einer Burganlage aus dem 13. Jahrhundert geplant und mit mittelalterlichen Arbeitsger\u00e4ten gebaut. In Gu\u00e9delon ausgebildete Handwerker arbeiten beim Wiederaufbau von N\u00f4tre-Dame in Paris mit, die 2019 brannte, und k\u00f6nnen mit ihrer Erfahrung einen gro\u00dfen Beitrag dazu leisten.<\/p>\n<p>Die \u00dcbernachtung war in Auxerre mit abendlichem Stadtrundgang durch die schmalen Gassen mit wundersch\u00f6nen Fachwerkh\u00e4usern und eindrucksvoller Kathedrale.<\/p>\n<h2>3. Tag: Dienstag, 30. Mai 2023: Roc aux sorciers.<\/h2>\n<p>Am Dienstag haben wir das beeindruckende Informationszentrum zum <strong>Roc aux sorciers<\/strong> in Angles-sur-l\u2019Anglin besucht. Die Fundstelle ist nicht zu besichtigen, jedoch gibt es hier einen Abguss des Frieses, der auch ber\u00fchrt werden darf. Der magdal\u00e9nien-zeitliche Abri mit dem 20\u00a0Meter langen Fries mit Halbreliefs verschiedener Tiere und auch Menschendarstellungen wurde 1927 entdeckt und ist bis heute noch nicht komplett ausgegraben. Der Abri ist vor ca. 14.000 Jahren verst\u00fcrzt und dadurch wurden das Fries und \u00dcberreste der Besiedlung gut konserviert. Bislang gibt es keine menschlichen \u00dcberreste und im Informationszentrum sind leider keinerlei sonstige Funde ausgestellt. Das Fries wurde in Abschnitten unterteilt gestaltet, die von aus dem Fels gehauenen Ringen und nat\u00fcrlichen Spalten voneinander getrennt sind. Die Ringe waren vermutlich Befestigungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr eingezogene Zeltw\u00e4nde. Erstaunlicherweise sind die Darstellungen aus ein paar Metern Entfernung besser zu erkennen, als wenn man direkt davor steht. Die Anfahrt nach Angles-sur-l\u2019Anglin war sehr lange, hat sich jedoch vollauf gelohnt!<\/p>\n<figure id=\"attachment_3764\" aria-describedby=\"caption-attachment-3764\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb1-800x600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb1-800x600.jpg\" alt=\"Roc aux sorciers site\" width=\"800\" height=\"600\" class=\"size-large wp-image-3764\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb1-800x600.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb1-300x225.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb1-768x576.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb1-600x450.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb1.jpg 1155w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3764\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 1: Roc aux sorciers site. Photo: M. Gassner.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die n\u00e4chsten zwei N\u00e4chte verbrachten wir in einem Hotel in einem Vorort von Tours. Dass wir von der wundersch\u00f6nen Stadt Tours nur ein Foto in der Hotellobby gesehen haben war in Anbetracht der tollen Museen und Fundpl\u00e4tze sowie Kurts Vortrag \u00fcber die Domestikation des Wolfes w\u00e4hrend der Busfahrt leicht zu verkraften.<\/p>\n<h2>4. Tag: Mittwoch, 31. Mai 2023: Grotte La Marche und Mus\u00e9e Le Grand Pressigny.<\/h2>\n<p>Der Mittwoch f\u00fchrte uns von unserem Hotel in Tours nach Lussac-les-Chateaux ins <strong>Mus\u00e9e de Lussac<\/strong> im Stadtzentrum. Durch unsere zeitige Ankunft blieb noch Zeit f\u00fcr einen Besuch beim B\u00e4cker, wo Einige noch etwas Leckeres f\u00fcr\u2019s anschlie\u00dfende Picknick gefunden haben. Der allgemein gehaltene Teil des Museums zur Pr\u00e4historie lie\u00df uns \u00fcber sch\u00f6ne Silexst\u00fccke aus verschiedenen Perioden staunen, aber das Highlight der Ausstellung sind die geritzten Steinplatten aus dem Magdaleni\u00e9n, die teilweise menschliche Antlitze im Profil und auch vollst\u00e4ndige Menschen zeigen. Menschliche Darstellung sind in der gesamten Altsteinzeit eher selten, hier jedoch gibt es 220 zum Teil karikaturartige Gesichter mit sehr lebhaftem Ausdruck. Die insgesamt etwa 1.500 Steinplatten oder Plaketten bestehen aus anstehendem Kalkstein, der zun\u00e4chst mit Ocker oder Holzkohle eingef\u00e4rbt und dann geritzt wurde. Anschlie\u00dfend wurden die Steine im hinteren Teil der Grotte La Marche (verst\u00fcrzter Abri) intentionell auf dem Boden deponiert. Die W\u00e4nde und Decken des Abris waren nicht verziert, wovon wir uns nach einem sch\u00f6nen Spaziergang durch das mittelalterliche St\u00e4dtchen und vorbei an riesigen Feigenb\u00e4umen und dem alten Gerberviertel mit aus den Hausw\u00e4nden ragenden Kuhh\u00f6rner, an denen die H\u00e4ute zum Trocknen aufgeh\u00e4ngt worden waren, selbst \u00fcberzeugen konnten.<\/p>\n<p>An diesem Tag hatten wir ausnahmsweise mal Zeit f\u00fcr ein Picknick und Schl\u00e4fchen an einem See, meist haben wir unterwegs im Bus gevespert.<\/p>\n<p>Nachmittags fuhren wir nach <strong>Le Grand Pressigny<\/strong> ins Museum, das in einer alten Burganlage untergebracht ist. Die Architektur des Museums ist heutzutage eine Mischung aus Ruine, Schloss des 16. Jhd. und modernem Betongeb\u00e4ude, die sich \u00fcberraschend harmonisch zusammenf\u00fcgen. Im Hof stehen lebensgro\u00dfe Modelle von Bison, Mammut und Riesenhirsch zusammen mit bequemen Liegest\u00fchlen. Die Dauerausstellung des Museums zeigt u.a. eine beeindruckende Sammlung an Silizes (sog. Livres de beurre) aus dem Endneolithikum, die beinahe industriell zu \u201egenormten\u201c Klingen von ca. 30\u00a0cm L\u00e4nge verarbeitet und in halb Europa gehandelt wurden. Klingen aus Le Grand Pressigny wurden unter anderem in der Bretagne, den Niederlanden und Deutschland gefunden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3766\" aria-describedby=\"caption-attachment-3766\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb3-800x600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb3-800x600.jpg\" alt=\"Flint blades from Grand Pressigny silex\" width=\"800\" height=\"600\" class=\"size-large wp-image-3766\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb3-800x600.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb3-300x225.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb3-768x576.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb3-600x450.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb3.jpg 1155w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3766\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 2: Flint blades from Grand Pressigny silex. Photo: M. Gassner.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>5. Tag, Donnerstag 01.06.2023: Wald von Fontainebleau.<\/h2>\n<p>Am Donnerstag f\u00fchrte uns eine aufregende Fahrt in den Wald von Fontainebleau zu dreien von \u00fcber 2.500 mit Ritzungen verzierten Felsspalten bzw. ausgeh\u00f6hlte Sandsteinfelsen. Der genaue Fundort der allermeisten Ritzzeichnungen wird geheim gehalten, nachdem man mit Hinweisschildern und auch dem Bau einer Mauer zum Schutz der Zeichnungen schlechte Erfahrungen gemacht hat. Die nicht-fig\u00fcrlichen, nicht-organisierten und akkumulativen Ritzzeichnungen werden \u00fcberwiegend im Mesolithikum verortet, ausgenommen zwei wundersch\u00f6ne Pferdchen, die durch Stilvergleich mit Lascaux in das Magdal\u00e9nien datiert werden. Im Wald gibt es kein Wasser und kein Feuersteinvorkommen, eine Siedlungst\u00e4tigkeit ist daher unwahrscheinlich. Wozu die mit Silex und auch Sandsteinbruchst\u00fccken tief in den Fels eingeritzten Linien, Quadrate, Gr\u00fcbchen usw. angefertigt wurden, wird wohl Spekulation bleiben.<\/p>\n<p>Kurt lag mehr als zwei Stunden im k\u00fchlen Felsen, um einem nach dem anderen die zwei Pferde und auch eine deutlich erkennbare Vulva zu zeigen, wobei Beine und Bauch einer Frau durch den anstehenden Fels gebildet werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3768\" aria-describedby=\"caption-attachment-3768\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb2-800x600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb2-800x600.jpg\" alt=\"Participants of the GfU 2023 annual trip in Fontainebleau\" width=\"800\" height=\"600\" class=\"size-large wp-image-3768\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb2-800x600.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb2-300x225.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb2-768x576.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb2-600x450.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb2.jpg 1155w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3768\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 3: Participants of the GfU 2023 annual trip in Fontainebleau. Photo: M. Gassner.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nachmittags ging es weiter nach Nemours ins <strong>Mus\u00e9e d\u00e9partemental de pr\u00e9histoire d\u2019Ile de France<\/strong> mit F\u00fchrungen durch die Dauer- und die Sonderausstellung. Das Museum f\u00fcgt sich recht harmonisch in den umgebenden Wald ein und besitzt mehrere Innenh\u00f6fe, die passend zum jeweiligen gezeigten Zeitabschnitt des korrespondierenden Ausstellungsraumes bepflanzt sind. Herauszuheben ist hier ein sich in der N\u00e4he befindlicher Freilandfundplatz aus dem Magdal\u00e9nien mit sehr vielen Silexfunden aus qualit\u00e4tvollem Stein aber unterschiedlich guter Verarbeitung, der eine Art Lehrwerkstatt f\u00fcr die Feuersteinbearbeitung gewesen sein k\u00f6nnte. Aus diesem Komplex stammt auch ein Sandstein mit Gravuren eines liegenden Pferdes mit \u00fcberproportional langen Beinen und geschlossenen Augen, hinter dem eine Art \u201eL\u00f6wenmensch\u201c steht. Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite des Steines gibt es \u00fcbereinander gravierte Rentiere und ein weiteres Pferd. Aus dem Mesolithikum ist einer der \u00e4ltesten Einb\u00e4ume der Welt zu sehen und in der neolithischen Sammlung stechen t\u00f6nerne Venusfiguren mit Aush\u00f6hlungen hervor, die vermutlich zur Aufnahme eines Kopfes aus verg\u00e4nglichem Material dienten.<\/p>\n<p>Die aktuelle Sonderausstellung zeigte neuere Funde aus dem Wald von Fontainebleau, n\u00e4mlich gravierte Steine und Felsen aus der ausgehenden Bronzezeit, die \u2013 im Gegensatz zu den oben erw\u00e4hnten mesolithischen Darstellungen \u2013 lokal eng begrenzt und nicht ohne weiteres sichtbar angebracht bzw. deponiert worden sind. Diese \u201egeheimen Steine\u201c scheinen Geschichten aus der Mythologie der damaligen Menschen zu erz\u00e4hlen, die einige \u00c4hnlichkeit mit der keltischen Mythologie besitzt.<\/p>\n<p>Nach diesem wundervollen Tag voller mystischer Impressionen hat uns Paris mit seinen vollen Stra\u00dfen beinahe erschlagen.<\/p>\n<h2>6. Tag: Freitag, 02. Juni 2023: Paris.<\/h2>\n<p>Am Freitag haben wir uns in zwei Gr\u00fcppchen zum <strong>Mus\u00e9e de l\u2019Homme<\/strong> begeben, einige sind mit der M\u00e9tro gefahren und einige sind zu Fu\u00df gelaufen. Nachdem wir das Museum gemeinsam betreten haben, haben wir uns getrennt und die Ausstellung und anschlie\u00dfend Paris alleine erkundet. Kurt war erleichtert, dass wir uns alle am n\u00e4chsten Morgen beim Fr\u00fchst\u00fcck wiedergefunden haben. Das Mus\u00e9e de l\u2019Homme ist recht sehenswert, nur leider konnten wir die Venus von Lespugue aus konservatorischen Gr\u00fcnden nicht anschauen. Aber die Venus wurde in einem Filmchen erl\u00e4utert, der in dieser Form ohne Mitarbeit des URMU nicht h\u00e4tte entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3770\" aria-describedby=\"caption-attachment-3770\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb4-600x800.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb4-600x800.jpg\" alt=\"The Magdalenian \u201cIdole impudique\u201d made from mammoth ivory in the Mus\u00e9e de l\u2019Homme\" width=\"600\" height=\"800\" class=\"size-large wp-image-3770\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb4-600x800.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb4-225x300.jpg 225w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb4-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb4-300x400.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/8_pathe_abb4.jpg 866w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3770\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 4: The Magdalenian \u201cIdole impudique\u201d made from mammoth ivory in the Mus\u00e9e de l\u2019Homme, Paris. Photo: M. Gassner.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>7. Tag, Samstag, 03. Juni 2023: Reims und Metz.<\/h2>\n<p>Der Samstag brachte uns zun\u00e4chst nach <strong>Reims<\/strong>, wo wir \u2013 ohne F\u00fchrung \u2013 die Kathedrale oder je nach Belieben auch nur den dortigen Mittelaltermarkt besucht haben.<\/p>\n<p>In Metz blieb vor der gebuchten F\u00fchrung durch das <strong>Mus\u00e9e La Cour d\u2019Or<\/strong> noch freie Zeit um durch das St\u00e4dtchen zu streifen und die Kathedrale oder die Markthalle zu besichtigen. Das Museum wurde auf den Fundamenten einer r\u00f6mischen Therme erbaut, die heute Teil der Ausstellung ist. Metz \u2013 oder besser gesagt Divodurum \u2013 war eine wohlhabende Handelsstadt im R\u00f6mischen Reich, deren Bewohner ihren Reichtum gerne zur Schau gestellt haben. So sind heute gro\u00dfe Mosaikfu\u00dfb\u00f6den und reich verzierte Grabsteine und u.a. eine wundervolle Urne aus \u00e4gyptischem Onyx erhalten geblieben. Zu den Superlativen geh\u00f6ren ein ungew\u00f6hnlich gro\u00dfer und beinahe vollst\u00e4ndig erhaltener Mithras-Altar sowie das gr\u00f6\u00dfte Amphitheater seiner Zeit im R\u00f6mischen Reich.<\/p>\n<h2>8. Tag: Sonntag, 04. Juni 2023: Bliesbruck-Reinheim und Herxheim.<\/h2>\n<p>Die Nacht verbrachten wir in Zweibr\u00fccken und fuhren gut ausgeruht an unserem letzten Tag der Exkursion zun\u00e4chst in den <strong>Europ\u00e4ischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim<\/strong>. Die Gegend hat eine lange Besiedlungsgeschichte mit u.a. Lesefunden von Steinwerkzeugen des Homo Erectus. Im kleinen aber feinen Maison Jean Schaub werden auch Hortfunde aus der sp\u00e4ten Bronzezeit mit Keramikschalen, Armreifen, Klappergeschirre f\u00fcr Zaumzeug und unbrauchbar gemachte Waffen ausgestellt sowie die Rekonstruktion eines sp\u00e4tkeltischen Umgangtempels. Ebenfalls aus der Lat\u00e8ne-Zeit stammt ein reich ausgestattetes F\u00fcrstinnengrab mit Goldschmuck und einer gro\u00dfen bronzenen Kanne, das beim Kiesabbau im Jahr 1952 gefunden wurde. Die R\u00f6mer haben sich ab ca. 50 v. Chr. in der Gegend niedergelassen und neben einer palastartigen Villa ein St\u00e4dtchen mit Handwerkerviertel und gro\u00dfer Therme hinterlassen.<\/p>\n<p>Zwar mit Umweg aber ohne Versp\u00e4tung kamen wir schlie\u00dflich an unserer letzten Station in <strong>Herxheim<\/strong> an. Im Museum, das wir in zwei Gruppenf\u00fchrungen nacheinander besucht haben, wird im Erdgeschoss die Geschichte einer ganz gew\u00f6hnlichen linearbandkeramischen Siedlung dargestellt, die etwa 300 Jahre lang bewohnt war. Im Keller des Geb\u00e4udes jedoch begaben wir uns in das \u201eReich der Spekulation\u201c, in der die ca. 50 Jahre dauernde \u201eRitualzeit\u201c am Ende der neolithischen Besiedlung behandelt wird. In zwei Gr\u00e4ben und mehrerer Gruben wurden sch\u00e4tzungsweise 1.000 Menschen beigesetzt. Die genaue Anzahl l\u00e4sst sich nicht mehr ermitteln, da die frischen Knochen zum weitaus \u00fcberwiegenden Teil entfleischt und kleinteilig zerschlagen worden sind. Klar ist, dass die Menschen, die in Herxheim gestorben (worden) sind, aus einem Umkreis von ca. 400\u00a0km kamen und prunkvolle Keramik aus ihrer Heimat mitgebracht haben.<\/p>\n<p>Im Anschluss haben wir uns ganz herzlich bei Kurt Langguth f\u00fcr die erneut hervorragende wissenschaftliche Reiseleitung, bei Manfred Ga\u00dfner f\u00fcr die perfekte Organisation und bei Betina Koch f\u00fcr die flie\u00dfenden \u00dcbersetzungen bedankt und uns von einigen Mitreisenden verabschiedet. Erstaunlicherweise konnten wir ohne Stau nach Leinfelden durchfahren, wo ich den Bus mit einem weinenden Auge verlassen habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nClaudia Pathe (Heimsheim) 1. Tag, Sonntag, 28. Mai 2023: Montb\u00e9liard. Gl\u00fccklicherweise ohne Stau sind wir sehr z\u00fcgig bis Montb\u00e9liard gefahren. Dadurch waren wir deutlich vor der nachmitt\u00e4glichen \u00d6ffnung des Muse\u00e9 du Ch\u00e2teau des Ducs de Wurtemberg vor Ort, sodass Zeit&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/gfu-jahresfahrt-nach-mittelfrankreich-vom-28-mai-bis-zum-4-juni-2023\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Annual Excursion of the GfU to Central France, May 28 \u2013 June 2, 2023&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[293,523,304],"tags":[],"class_list":["post-3661","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-german","category-mgfu-32","category-open-access-articles","entry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3661","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3661"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3661\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3774,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3661\/revisions\/3774"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3661"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3661"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3661"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}