{"id":2335,"date":"2023-09-13T20:06:39","date_gmt":"2023-09-13T18:06:39","guid":{"rendered":"https:\/\/kernsverlag.com\/renaturierung-des-tagebaus-schoeningen-mit-verschiedenen-megaherbivoren-in-form-von-unterschiedlichen-landschafts-und-klimawandelszenarien\/"},"modified":"2023-09-20T20:28:35","modified_gmt":"2023-09-20T18:28:35","slug":"renaturation-of-the-schoeningen-opencast-mine-with-various-megaherbivores-in-the-form-of-different-landscape-and-climate-change-scenarios","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/renaturation-of-the-schoeningen-opencast-mine-with-various-megaherbivores-in-the-form-of-different-landscape-and-climate-change-scenarios\/","title":{"rendered":"Renaturation of the Sch\u00f6ningen Opencast Mine with Various Megaherbivores in the Form of Different Landscape and Climate Change Scenarios"},"content":{"rendered":"<div class=\"authors-information\">\n<strong>Leonie Turnwald<\/strong><br \/>\nIm Zwinger 3<br \/>\n72639 Neuffen<br \/>\nEmail: leonie.turnwald@gmx.de\n<\/div>\n<h2>Abstract<\/h2>\n<p>This paper examines a renaturation of the former Sch\u00f6ningen opencast lignite mine into a wilderness area. Megaherbivores are to be used to maintain an open landscape. Types of animals selected are based on their use in helping to emulate a prehistoric landscape. In order to establish a wilderness area with consideration to the carrying capacity of the landscape, the WoodPaM simulation programme was employed to help adjust for climate change and grazing scenarios. The results show that the intensity of grazing as well as the influence of climate change have a strong impact on the development of the landscape.<\/p>\n<p>Human intervention is excluded in the simulation in order to tie the findings into the debate on wilderness in Germany and to recreate a prehistoric landscape. Animal species simulated were bison (<span class=\"fachbegriff\">Bos bonasus<\/span>), red deer (<span class=\"fachbegriff\">Cervus elaphus<\/span>), fallow deer (<span class=\"fachbegriff\">Dama dama<\/span>) and horse (<span class=\"fachbegriff\">Equus przewalski<\/span>) with numbers ranging from 28 (0.05 LSU per hectare) to 105 (0.2 LSU per hectare) individuals. Drought stress due to climate change is considered to be the limiting factor for plant growth. Even small changes in grazing intensity alter growth in the tree and field layers.<\/p>\n<p>In summary, the model calculations in WoodPaM reflect the real landscape as accurately as possible, but individual points in a complex ecosystem cannot be simulated. The results provide starting points for the future handling of the Sch\u00f6ningen opencast mine and can possibly be transferred to other opencast mines.<\/p>\n<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>Die nationale Biodiversit\u00e4tsstrategie hatte zum Ziel, im Jahr 2020 2 % der Landesfl\u00e4che von Deutschland als Wildnisgebiete auszuweisen. Allerdings waren es 2020 nur 0,6 %. Wildnis weist durch den Ablauf nat\u00fcrlicher Prozesse ohne das Eingreifen des Menschen eine hohe Biodiversit\u00e4t auf und bietet viele Lebensr\u00e4ume f\u00fcr die verschiedensten Arten. Auf diese Grundlage wurde die europ\u00e4ische Biodiversit\u00e4tsstrategie mit dem Ziel, 30 % der Meeres- und Landesfl\u00e4che unter Schutz zu stellen, ver\u00f6ffentlicht. Absichten sind hierf\u00fcr, die Biodiversit\u00e4t zu erh\u00f6hen, CO<sub>2<\/sub> einzusparen und der Wirtschaft nicht zu schaden (Rosenthal et al. 2016).<\/p>\n<p>Die Biodiversit\u00e4t kann mit einem Wildnisgebiet gef\u00f6rdert werden. Hierbei sind jedoch zwei Herausforderungen in der Aufgabenstellung zu ber\u00fccksichtigen: Zum einen ist das Bodenverh\u00e4ltnis durch den fr\u00fcheren Braunkohleabbau gest\u00f6rt. Zum anderen etabliert sich eine Wildnis nur \u00fcber einen sehr langen Zeitraum, weswegen der anthropogene Klimawandel bei einer Prognose der Entwicklung mit betrachtet werden muss. (Bunzel-Dr\u00fcke et al. 2008).<\/p>\n<h2>Untersuchungsgebiet<\/h2>\n<p>Der Tagebau Sch\u00f6ningen in Niedersachsen bietet mit seinen knapp \u00fcber 500 Hektar Fl\u00e4che und der Lage auf dem Gr\u00fcnen Band einen guten Standort, um ein Wildnisgebiet zu entwickeln. Zurzeit ist geplant, den Tagebau durch den nat\u00fcrlichen Grundwasseranstieg volllaufen zu lassen. Dadurch w\u00fcrden die aktuellen und zuk\u00fcnftigen potenziellen Lebensr\u00e4ume verloren gehen. Au\u00dferdem haben Wasserproben bereits gezeigt, dass der See erst einmal sehr sauer sein wird und damit in n\u00e4herer Zukunft keinen vielf\u00e4ltigen Lebensraum bietet.<\/p>\n<h2>Fragestellung<\/h2>\n<p>Die Idee einer Wildnis mit Megaherbivoren, welche einer nat\u00fcrlichen pr\u00e4historischen Landschaft entsprechen k\u00f6nnte, ist schon l\u00e4nger vorhanden. Allerdings gibt es noch keine genauen Studien, ob und wie die Tiere im Tagebau \u00fcberleben und wie die Landschaft langfristig aussehen k\u00f6nnte. Zudem fehlen langfristige Studien zu Renaturierungen von Braunkohletagebauen aufgrund der Aktualit\u00e4t des Themas.<\/p>\n<p>Die Modellberechnungen werden im prozessbasierten Simulationsprogramm WoodPaM (Wood-Pasture-Model) durchgef\u00fchrt (Gillet 2008). Hierf\u00fcr wird die Landschaft des Tagebaus aufgearbeitet und im Modell implementiert. F\u00fcr die Aufarbeitung wurden im M\u00e4rz 2021 Vegetationserhebungen am S\u00fcdhang des Braunkohletagebaus Sch\u00f6ningen durchgef\u00fchrt (Abb. 1). Die erhobene Vegetation wurde mit Hilfe von Tabellen in Futterwerte kategorisiert.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich diente der Aufwuchs zur Einsch\u00e4tzung von zuk\u00fcnftiger Etablierung der Vegetation (Ellenberg et al. 1992; Sturm et al. 2018), welche ebenfalls im Modell ein wichtiger Einflussfaktor ist.<\/p>\n<p>Um den Klimawandel abzubilden, werden jeweils vier Szenarien mit zwei Klimawandelszenarien durchgef\u00fchrt (Abb. 2). Diese wurden ab der Aufgabe der Nutzung im Jahr 2016 bis zum Jahr 2300 simuliert. In allen Szenarien fehlt im Tagebau zu Beginn ein Diasporenpotenzial, welches sich erst durch nat\u00fcrliche Verbreitung etablieren muss. Um an die Debatte zu Wildnis in Deutschland anzukn\u00fcpfen und um eine pr\u00e4historische Landschaft nachzustellen, wurden Eingriffe durch den Menschen ausgeschlossen. Wisent (<span class=\"fachbegriff\">Bos bonasus<\/span>), Rothirsch (<span class=\"fachbegriff\">Cervus elaphus<\/span>), Damwild (<span class=\"fachbegriff\">Dama dama<\/span>) und Pferd (<span class=\"fachbegriff\">Equus przewalski<\/span>) z\u00e4hlen mit einer Anzahl zwischen 28 (0.05 GVE pro Hektar) und 105 (0.2 GVE pro Hektar) Individuen zu den simulierten Tierarten.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Studiengebiet bedarf es einer Anpassung des Modells. Geographische Daten werden mit einem Gel\u00e4ndemodell aufgearbeitet und Flora sowie Fauna f\u00fcr das Gebiet bestimmt. Zus\u00e4tzlich werden die Klimadaten mit Hilfe eines Spin-Up Modelldurchlaufs angepasst und aufbereitet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2371\" aria-describedby=\"caption-attachment-2371\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb1-800x529.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb1-800x529.jpg\" alt=\"Sch\u00f6ningen opencast lignite mine\" width=\"800\" height=\"529\" class=\"size-large wp-image-2371\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb1-800x529.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb1-300x198.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb1-768x508.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb1-1536x1016.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb1-600x397.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb1.jpg 1867w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2371\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 1: Recording of the vegetation in the Sch\u00f6ningen opencast lignite mine. Photo: F. Hartl.<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_2373\" aria-describedby=\"caption-attachment-2373\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb2-800x493.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb2-800x493.jpg\" alt=\"Scenario tree\" width=\"800\" height=\"493\" class=\"size-large wp-image-2373\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb2-800x493.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb2-300x185.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb2-768x473.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb2-1536x947.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb2-600x370.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/mgfu22_6_turnwald_abb2.jpg 1569w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2373\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 2: Scenario tree for carrying out the individual scenarios with numbering.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Ergebnisse<\/h2>\n<p>Nachfolgend werden die Ergebnisse der Modellberechnungen konzise dargestellt. Der Braunkohletagebau ist durch seinen kohlehaltigen Rohboden und wenig bis gar keinem Diasporenpotenzial ein Extremstandort f\u00fcr Pflanzen. Die Vergleichsszenarien ohne Megaherbivoren erm\u00f6glichen einen Baumaufwuchs ohne St\u00f6rung. Der limitierende Faktor ist der Klimawandel und der damit verbundene Trockenstress. Detaillierte Ergebnisse der genauen Betrachtung der einzelnen Szenarien bezogen auf die Baum- und Feldschicht, einzelner Pflanzenarten sowie die Etablierung der Habitatstrukturen k\u00f6nnen auf pers\u00f6nliche Anfrage weitergeleitet werden.<\/p>\n<h3>Prozessschutzszenarien<\/h3>\n<p>Im Prozessschutz unterscheiden sich die beiden Klimawandelszenarien vor allem im Bedeckungsgrad der mittleren Baumschicht und der Etablierung des Waldes. In beiden Szenarien ist die Waldkiefer (<span class=\"fachbegriff\">Pinus sylvestris<\/span>) mit \u00fcber 50 % in ferner Zukunft etabliert. Die Feldschicht entwickelt sich zu einer Waldbodenflora, allerdings im moderat-trockenen Szenario deutlich langsamer. Die relative Deckung der Habitate ist in beiden Szenarien stark verschieden, da der Trockenstress im moderat-trockenen Szenario das Wachstum besonders hemmt. Die r\u00e4umlich-strukturelle Verteilung der Habitate ist allerdings im moderat-feuchten Klimawandelszenario diverser. Alles in allem wird sich bei beiden Klimawandelszenarien ein Wald etablieren, im moderat-trockenen Szenario wird der Baumbedeckungsgrad von 70 % nicht \u00fcberschritten.<\/p>\n<h3>Habitatstrukturen und Strukturdiversit\u00e4t in den Beweidungsszenarien<\/h3>\n<p>Im moderat-feuchten Klimawandelszenario bleibt in naher Zukunft (2030 AD) die Landschaft durchgehend unbewaldet. In mittlerer Zukunft (2050 AD) ist die Entwicklung zu sp\u00e4rlich bewaldeten Habitaten erkennbar; in diesem Zeitraum ist auch die Strukturdiversit\u00e4t in allen drei Beweidungsszenarien am gr\u00f6\u00dften. In der langfristigen Entwicklung ist der Beweidungsdruck entscheidend f\u00fcr die Habitatentwicklung. Die Beweidungsszenarien mit 0.15 und 0.2 GVE (Szenario 1.3 und 1.4 in Abb. 2) haben eine \u00e4hnliche Strukturdiversit\u00e4t, auch wenn die Habitate sich deutlich unterscheiden. An den Wasserstellen und den stark exponierten H\u00e4ngen sind offenere Habitate zu erkennen. Eine Etablierung von geschlossenem Kronendach ist nur bei einer Beweidung mit 0.1 GVE (Szenario 1.2 in Abb. 2) vorhanden.<\/p>\n<p>Im moderat-trockenen Klimawandelszenario bleibt in naher Zukunft (2030 AD) die Landschaft ebenfalls durchgehend unbewaldet. In mittlerer Zukunft (2050 AD) ist die Entwicklung zu sp\u00e4rlich bewaldeten Habitaten erkennbar, in diesem Zeitraum ist auch die Strukturdiversit\u00e4t von allen drei Szenarien am gr\u00f6\u00dften. Die Beweidungsszenarien mit 0.1 und 0.15 GVE (Szenario 2.3 und 2.4 in Abb. 2) haben eine \u00e4hnliche Strukturdiversit\u00e4t, auch wenn die Habitate sich in ihrer Waldbedeckung unterscheiden. Eine Etablierung von geschlossenem Kronendach ist in keinem Beweidungsszenario vorhanden.<\/p>\n<h3>Baum- und Feldschicht in den Beweidungsszenarien<\/h3>\n<p>Im moderat-feuchten Klimawandelszenario etabliert sich zuerst die Strauchschicht, welche vor 2100 AD ihren H\u00f6hepunkt an Deckung im Tagebau Sch\u00f6ningen erreicht. In ferner Zukunft sinkt der Anteil der Strauchschicht ab und konzentriert sich auf die steilen H\u00e4nge im Tagebau. In allen drei Szenarien etablieren sich die Pionierbaumarten Zitterpappel (<span class=\"fachbegriff\">Populus tremula<\/span>), H\u00e4ngebirke (<span class=\"fachbegriff\">Betula pendula<\/span>) und Waldkiefer (<span class=\"fachbegriff\">Pinus sylvestris<\/span>), welche in ferner Zukunft wieder leicht zur\u00fcckgehen. Die Traubeneiche (<span class=\"fachbegriff\">Quercus petraea<\/span>) etabliert sich als einzige Baumart aus der potenziell nat\u00fcrlichen Vegetation. Die Bereiche um die Wasserstellen im Osten des Tagebaus bleiben in ferner Zukunft immer baum- und strauchfrei. Eine Etablierung von Hainbuche (<span class=\"fachbegriff\">Carpinus betulus<\/span>), Buche (<span class=\"fachbegriff\">Fagus sylvatica<\/span>) und Berg-Ahorn (<span class=\"fachbegriff\">Acer pseudoplatanus<\/span>) findet in keinem Szenario statt. Die Feldschicht etabliert sich in allen Beweidungsszenarien. Das produktive und das magere Gr\u00fcnland haben eine \u00e4hnliche Deckung und sind in ferner Zukunft am wenigsten vertreten. Die Brache und die Waldbodenflora laufen gegens\u00e4tzlich zueinander. In Szenario 1.4 (0.2 GVE) \u00fcberschreitet die Deckung der Waldbodenflora die der Brache nicht.<\/p>\n<p>In ferner Zukunft sinkt im moderat-trockenen Klimawandelszenario der Anteil der Strauchschicht in allen Szenarien ab und konzentriert sich auf die steilen H\u00e4nge im Tagebau. In allen drei Szenarien etablieren sich die Pionierbaumarten Zitterpappel (<span class=\"fachbegriff\">Populus tremula<\/span>), H\u00e4ngebirke (<span class=\"fachbegriff\">Betula pendula<\/span>) und Waldkiefer (<span class=\"fachbegriff\">Pinus sylvestris<\/span>). Die Waldkiefer (<span class=\"fachbegriff\">Pinus sylvestris<\/span>) ist immer am st\u00e4rksten vertreten, wird allerdings mit der Zunahme an Beweidungsintensit\u00e4t reduziert. Die Traubeneiche (<span class=\"fachbegriff\">Quercus petraea<\/span>) etabliert sich nur im Szenario 2.4 mit 0.15 GVE als einzige Baumart der potenziell nat\u00fcrlichen Vegetation leicht.<\/p>\n<p>Das produktive und das magere Gr\u00fcnland kommen bei einer stark extensiven Beweidung von 0.05 GVE nur mit einer sehr geringen Deckung vor. Auch in diesem Klimawandelszenario verlaufen Brache und Waldbodenflora gegens\u00e4tzlich. In der r\u00e4umlichen Verteilung ist das Gr\u00fcnland in den flach exponierten Teilen des Tagebaus etabliert, w\u00e4hrend die Brache am st\u00e4rksten an den Hangstufen vorkommt.<\/p>\n<h2>Diskussion und Ausblick<\/h2>\n<p>Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Modellberechnungen in WoodPaM die Reallandschaft m\u00f6glichst genau wiedergeben, aber einzelne Punkte in einem sehr komplexen \u00d6kosystem nicht ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen. Die Ergebnisse geben Anhaltspunkte zum zuk\u00fcnftigen Umgang mit dem Tagebau Sch\u00f6ningen und k\u00f6nnen gegebenenfalls auf weitere Tagebaue \u00fcbertragen werden. Ziel ist es darzustellen, wie sich die Habitate im Tagebau mit und ohne Megaherbivoren unter Klimawandeleinfluss ver\u00e4ndern. Dies kann mit den erzielten Ergebnissen dargestellt werden.<\/p>\n<p>Die Megaherbivoren haben einen gro\u00dfen Einfluss auf den Tagebau Sch\u00f6ningen. Die Vegetationsmuster werden deutlich differenzierter als bei fehlender Beweidung. Bei einer starken Beweidung von 0.2 GVE im moderat-feuchten und 0.15 GVE im moderat-trockenen Klimawandelszenario kommt es kaum noch zu Waldaufkommen und die Landschaft \u00e4hnelt einer Steppe. Aus den Simulationen kann geschlossen werden, dass mit einer geringen Beweidungsintensit\u00e4t ein stabiles \u00d6kosystem entwickelt werden kann. Um die Tiere zu ern\u00e4hren, muss eine Zuf\u00fctterung stattfinden, da der Tagebau in naher und auch in mittlerer Zukunft zu wenig Futter bietet.<\/p>\n<p>Eine pr\u00e4historische Landschaft kann insofern nachempfunden werden, als dass die Tiere m\u00f6glichst wild und in ihren Herdenstrukturen leben. Au\u00dferdem wird die Landschaft durch die verschiedenen \u00c4sergemeinschaften gepr\u00e4gt. Die Wildnis leistet nicht nur ihren Beitrag zur Biodiversit\u00e4tsstrategie, sondern auch zum Biotopverbund des Gr\u00fcnen Bandes und dem Tourismus in Sch\u00f6ningen.<\/p>\n<p>Die landschaftliche Gestaltung des Tagebaus Sch\u00f6ningen ist vor allem von der Beweidungsintensit\u00e4t abh\u00e4ngig. Wenn keine Ma\u00dfnahmen wie Beweidung oder eine mechanische Pflege erfolgen, wird sich auf lange Sicht im Tagebau ein homogener Wald entwickeln. Dadurch gehen viele offene und halboffene Lebensr\u00e4ume verloren. Eine Art Wildnisgebiet mit Beweidung kostet im Vergleich zu anderen M\u00f6glichkeiten der Offenhaltung weniger. Trotzdem ist zu bedenken, dass die Tiere versorgt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nicht nur im Tagebau Sch\u00f6ningen entstehen in naher Zukunft Bergbaufolgelandschaften, welche renaturiert, rekultiviert oder mit Grundwasser volllaufen gelassen werden. Diese Landschaften bieten ein gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr die Umsetzung der nationalen Biodiversit\u00e4tsstrategie. Die Tagebaurestl\u00f6cher sind oftmals noch deutlich gr\u00f6\u00dfer als der Tagebau Sch\u00f6ningen und k\u00f6nnen durch die Renaturierung in Form von Wildnis CO<sub>2<\/sub> in der Landschaft speichern. Dies entspricht dem Sinn der europ\u00e4ischen Biodiversit\u00e4tsstrategie, welche darauf abzielt, durch funktionierende \u00d6kosysteme CO<sub>2<\/sub> zu speichern (Europ\u00e4ische Kommission 2020).<\/p>\n<p>Die Landschaft in Deutschland wird sich unter Klimawandeleinfluss ver\u00e4ndern. Dadurch werden lichtere W\u00e4lder entstehen (Essl und Rabitsch 2013). Au\u00dferdem werden Arten durch zu hohe Temperaturen und zu wenig Wasser verdr\u00e4ngt werden. Andere Arten k\u00f6nnen sich besser etablieren. Wildnisgebiete sind nicht die L\u00f6sung f\u00fcr den Klimawandel. Aber weitestgehend durch den Menschen unber\u00fchrte Bereiche bieten Raum f\u00fcr neue Landschaften und k\u00f6nnen der Forschung im Bereich Klima und \u00d6kologie zuk\u00fcnftig weiterhelfen.<\/p>\n<p>Somit ist mit dem Tagebau Sch\u00f6ningen eine weitere Fl\u00e4che in Deutschland vorhanden, um in der europ\u00e4ischen Biodiversit\u00e4tsstrategie Umsetzung zu finden. Mit einer Vermarktung des Fleisches kann au\u00dferdem Gewinn eingebracht werden. Zus\u00e4tzlich kommen in den n\u00e4chsten Jahren viele aufgegebene Braunkohletagebaue hinzu. Es liegt also an der Umsetzung und dem Engagement, sich f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t und die Natur einzusetzen. Der Klimawandel sollte dabei immer mitber\u00fccksichtigt werden, allerdings kann dieser, im Gegensatz zur Ausweisung von Wildnisgebieten, nicht stark beeinflusst werden.<\/p>\n<h2>Danksagung<\/h2>\n<p>Abschlie\u00dfend danke ich Herrn Dr. Jordi Serangeli f\u00fcr die Anregung, dieses Thema als Bachelorarbeit aufzugreifen sowie f\u00fcr seine Hilfe bei der Schaffung von lokalen Kontakten und die intensive Betreuung vor Ort in Sch\u00f6ningen. Mein Dank gilt auch der Gesellschaft f\u00fcr Urgeschichte (GfU) f\u00fcr die F\u00f6rderung meiner Arbeit durch die \u00dcbernahme der erforderlichen Fahrt- und \u00dcbernachtungskosten.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<p>Bunzel-Dr\u00fcke, M., B\u00f6hm, C., Finck, P., K\u00e4mmer, G., Luick, R., Reisinger, E., Riecken, U., Riedl, J., Scharf, M. und Zimball, O. 2008: \u201cWilde Weiden\u201c. Praxisleitfaden f\u00fcr Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung. 1. Aufl. Bad Sassendorf-Lohne: Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V.<\/p>\n<p>Ellenberg, H., Weber, H. E., D\u00fcll, R., Wirth, V., Werner, W. und Paulissen, D. 1992: Zeigerwerte von Pflanzen in Mitteleuropa. Indicator values of plants in Central Europe. 2. verb. und erw. Aufl. Scripta geobotanica 18. G\u00f6ttingen: Goltze.<\/p>\n<p>Essl, F. und Rabitsch, W. (Hg.) 2013: Biodiversit\u00e4t und Klimawandel. Auswirkungen und Handlungsoptionen f\u00fcr den Naturschutz in Mitteleuropa. Berlin: Springer Spektrum.<\/p>\n<p>Europ\u00e4ische Kommission (Hg.) 2020: Mitteilung der Kommission an das Europ\u00e4ische Parlament, den Rat, den Europ\u00e4ischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen. EU-Biodiversit\u00e4tsstrategie f\u00fcr 2030. Mehr Raum f\u00fcr die Natur in unserem Leben. Br\u00fcssel.<\/p>\n<p>Gillet, F. 2008: Modelling vegetation dynamics in heterogeneous pasture-woodland landscapes. Ecological Modelling 217, 1\u201318.<\/p>\n<p>Rosenthal, G., Mengel, A., Reif, A., Opitz, S., Schoof, N. und Reppin, N. 2016: Umsetzung des 2%-Ziels f\u00fcr Wildnisgebiete aus der Nationalen Biodiversit\u00e4tsstrategie. BfN-Skripten 422. Bonn: Bundesamt f\u00fcr Naturschutz.<\/p>\n<p>Sturm, P., Zehm, A., Baumbach, H., Brackel, W. von, Verb\u00fccheln, G., Stock, M. und Zimmermann, F. 2018: Gr\u00fcnlandtypen. Erkennen \u2013 Nutzen \u2013 Sch\u00fctzen. Unter Mitarbeit von R. Zintl, O. Schwarzer und J. von Brackel. Wiebelsheim: Quelle &#038; Meyer Verlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nThis paper examines a renaturation of the former Sch\u00f6ningen opencast lignite mine into a wilderness area. 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