{"id":2125,"date":"2022-08-02T16:49:23","date_gmt":"2022-08-02T14:49:23","guid":{"rendered":"https:\/\/kernsverlag.com\/zur-rekonstruktion-der-mammutelfenbeinfloete-aus-dem-geissenkloesterle-ein-erfahrungsbericht\/"},"modified":"2022-08-02T17:12:32","modified_gmt":"2022-08-02T15:12:32","slug":"zur-rekonstruktion-der-mammutelfenbeinfloete-aus-dem-geissenkloesterle-ein-erfahrungsbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/zur-rekonstruktion-der-mammutelfenbeinfloete-aus-dem-geissenkloesterle-ein-erfahrungsbericht\/","title":{"rendered":"On the Reconstruction of the Mammoth Ivory Flute from Gei\u00dfenkl\u00f6sterle Cave. A Field Report"},"content":{"rendered":"<div class=\"authors-information\">\n<strong>Wulf Hein<\/strong><br \/>\nBuchenstr. 7<br \/>\n61203 Dorn-Assenheim<br \/>\ninfo@archaeo-technik.de\n<\/div>\n<h2>Abstract<\/h2>\n<p>Since the discovery of the flutes from the Aurignacian layers of the caves in the Swabian Jura, the author has been engaged in reconstructing these so far oldest musical instruments in the world. The following report describes the experiences gained during the work, using the example of the latest replication of the mammoth ivory flute from Gei\u00dfenkl\u00f6sterle Cave.<\/p>\n<p><q>\u201e\u2026 wenig mehr als ein Rohr mit ein paar L\u00f6chern \u2026\u201c<\/q><\/p>\n<p>Mit diesen Worten, die dem franz\u00f6sischen Komponisten Andr\u00e9 Jolivet (1905-1974) zugeschrieben werden, beschreibt er die Fl\u00f6te als ein \u201e(\u2026) Musikinstrument par excellence (\u2026), das dem Spieler gestattet, seinen tiefsten Gef\u00fchlen mit den einfachsten Mitteln Ausdruck zu verleihen\u201c. Das war offenbar schon den Menschen der Eiszeit bewusst, und nicht ohne Grund sind die bis dato \u00e4ltesten gesicherten Musikinstrumente der Welt Fl\u00f6ten, gefunden in den Karsth\u00f6hlen der Schw\u00e4bischen Alb.<\/p>\n<p>Interessant an Jolivets Zitat sind die zwei W\u00f6rter \u201ewenig mehr\u201c, denn in der Tat sind zwar fast alle bisher gefundenen altsteinzeitlichen Fl\u00f6ten aus Knochen, haupts\u00e4chlich den Armknochen gro\u00dfer V\u00f6gel, hergestellt worden, es handelt sich also um nat\u00fcrliche Rohre mit eingebohrten oder -geschabten Griffl\u00f6chern (Buisson 1990; Hahn und M\u00fcnzel 1995; K\u00e4fer 1998; Conard et al. 2009). Doch neben weiteren Fragmenten gibt es vor allem eine Ausnahme in Gestalt der Fl\u00f6te aus Mammutelfenbein, die in den aurignacienzeitlichen Schichten der Gei\u00dfenkl\u00f6sterle-H\u00f6hle im Achtal bei Blaubeuren entdeckt wurde (Conard et al. 2004) und auf deren Herstellung man ein \u201ewenig mehr\u201c Arbeit verwendet hat. Die Sto\u00dfz\u00e4hne von Mammuts sind im hinteren, am Kopf sitzenden Teil hohl und stecken auf einem kegelf\u00f6rmigen Zahnkeim, aber diese H\u00f6hlung ist trichterf\u00f6rmig, denn \u201ebildlich dargestellt besteht der Sto\u00dfzahn aus zahlreichen ineinander gest\u00fclpten Dentinkegeln\u201c (Banerjee et al. 2011, 3), also salopp gesprochen ist er aufgebaut wie viele ineinander gesteckte Eist\u00fcten. Daraus l\u00e4sst sich nicht in so einfacher Weise eine Fl\u00f6te anfertigen wie aus einem Vogelknochen, der ja eine R\u00f6hre mit ann\u00e4hernd gleichm\u00e4\u00dfigen Durchmessern und Wandst\u00e4rken \u00fcber die ganze L\u00e4nge darstellt. Und doch haben die eiszeitlichen Handwerker diese schwierige und aufw\u00e4ndige Arbeit auf sich genommen.<\/p>\n<p>Die Frage nach dem Warum? lie\u00dfe sich eventuell damit beantworten, dass auch die Knochen der gr\u00f6\u00dften Greif- und Wasserv\u00f6gel wie Geier, Adler oder Schwan die maximale L\u00e4nge eines daraus erzeugten Blasinstrumentes begrenzen \u2013 mehr als ca. 26 cm misst keine der Ellen (lat. <span class=\"fachbegriff\">ulnae<\/span>) oder Speichen (lat. <span class=\"fachbegriff\">radii<\/span>). Will man eine Fl\u00f6te mit gr\u00f6\u00dferen Dimensionen bauen, muss man das Rohr k\u00fcnstlich erschaffen. Als Werkstoff bietet sich der Sto\u00dfzahn eines Mammuts geradezu an, ist dieser doch sehr hart und gleichzeitig elastisch und l\u00e4sst sich obendrein mit Steinwerkzeugen gut bearbeiten. Die so genannte Fl\u00f6te 3 aus dem Gei\u00dfenkl\u00f6sterle (GK 3) misst heute noch 187 mm, ist jedoch wahrscheinlich nur fragmentarisch erhalten. Angesichts der weiteren Funde aus der H\u00f6hle zeigt sich, dass es m\u00f6glich war, Rundst\u00e4be mit einer L\u00e4nge von 35 cm, wahrscheinlich sogar bis zu einem Meter herzustellen (Hahn 1988, 204).<\/p>\n<h2>Bisherige Versuche zur Rekonstruktion<\/h2>\n<p>Wie dieser Stab dann gespalten und ausgeh\u00f6hlt werden kann, haben Maria Malina und Ralf Ehmann im Rahmen eines arch\u00e4ologischen Experiments eindr\u00fccklich nachvollzogen (Malina und Ehmann 2009). Au\u00dferdem untersuchten sie die Elfenbeinfragmente aus den Grabungshorizonten der H\u00f6hle erneut und konnten feststellen, dass der oben erw\u00e4hnte 35 cm lange Span aus den AH IIb und III deutliche Zeichen eines solchen Bearbeitung aufweist (Ebd. 104). Dazu wird zun\u00e4chst ein Span aus der \u00e4u\u00dferen Schicht des Sto\u00dfzahns ausgel\u00f6st, rund geschabt (Abb. 1) und lateral auf der ganzen L\u00e4nge beidseitig gerillt (Abb. 2) Es folgt das Einschneiden vieler kleiner Kerben senkrecht zur zuk\u00fcnftigen Klebefuge mit einem Silexmesser (Abb. 3). Wahrscheinlich dienten diese Kerben zur Vergr\u00f6\u00dferung der Klebefl\u00e4che, ein Verfahren, das im Pal\u00e4olithikum \u00e4hnlich auch bei Geschossspitzen angewandt wurde (Stodiek 1993, 167; s. auch Dutkiewicz 2021). Dann wird der Stab mittels kleiner Keile gespalten, was nur exakt an der Grenze zwischen dem ganz au\u00dfen liegenden Zahnzement und dem darunter befindlichem Dentin m\u00f6glich ist. Abschlie\u00dfend werden beide H\u00e4lften mittels eines kleinen Silexwerkzeugs ausgeschabt und wieder zusammengesetzt (Abb. 4).<\/p>\n<p>Auf eine weitergehende Rekonstruktion haben Malina und Ehmann seinerzeit verzichtet, weil die L\u00e4nge des Originalinstrumentes nicht bestimmbar ist. Friedrich Seeberger, der sich wie kein zweiter mit den Achtalfl\u00f6ten und ihrer Spielweise besch\u00e4ftigte (Seeberger 1998, 1999) und es verstand, seine Nachbauten meisterhaft zum Klingen zu bringen, hat nach der Entdeckung der Fl\u00f6te zun\u00e4chst einen Nachbau aus Holunderholz hergestellt (Conard et al. 2004, 458; m\u00fcndl. Mitt. F. Seeberger), sp\u00e4ter dann auch einen aus Elfenbein (Malina und Ehmann 2009, 94), diesen aber leider nicht mehr publizieren k\u00f6nnen. 2013 hat dann ein Team des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren erstmals den gesamten weiteren Herstellungsprozess nachvollzogen und beschrieben (Trommer et al. 2013).<\/p>\n<h2>Aktuelle Versuche zur Konstruktion der Fl\u00f6te GK 3<\/h2>\n<p>Ich besch\u00e4ftige mich schon seit der Entdeckung der Fl\u00f6ten im Achtal mit der experimentellen Herstellung dieser einzigartigen Funde und habe damals zusammen mit dem Ausgr\u00e4ber des Gei\u00dfenkl\u00f6sterle, J. Hahn, auch die ersten Rekonstruktionsversuche unternommen (Hahn und Hein 1995; Hein und Hahn 1998). Es folgten im Zuge meiner Arbeit zahlreiche Nachbildungen von Elfenbeinfunden, u.a. des L\u00f6wenmenschen aus dem Hohlenstein-Stadel, der Venus- und weiterer Tierfiguren von der Schw\u00e4bischen Alb (zusammenfassend Hein 2018), davon viele mit authentischem Werkzeug. Dabei konnten umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit dem Material Mammutsto\u00dfzahn gewonnen werden, auch beim Nachbau von bisher vier Fl\u00f6ten vom Typ GK 3, von denen eine bereits Gegenstand von musikarch\u00e4ologischen Untersuchungen war (Potengowski und M\u00fcnzel 2015; vgl. auch M\u00fcnzel et al. 2016).<\/p>\n<figure id=\"attachment_2096\" aria-describedby=\"caption-attachment-2096\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb1-300x169.jpg\" alt=\"Shaping of the cut out ivory rod\" width=\"300\" height=\"169\" class=\"size-medium wp-image-2097\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb1-300x169.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb1-800x450.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb1-768x432.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb1-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb1-600x338.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb1.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2096\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 1: Shaping of the cut out ivory rod (all illustrations: W. Hein).<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_2098\" aria-describedby=\"caption-attachment-2098\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb2-300x169.jpg\" alt=\"Grooving with a narrow burin\" width=\"300\" height=\"169\" class=\"size-medium wp-image-2099\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb2-300x169.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb2-800x450.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb2-768x432.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb2-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb2-600x338.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb2.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2098\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 2: Grooving with a narrow burin.<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_2100\" aria-describedby=\"caption-attachment-2100\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft clear\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb3-300x169.jpg\" alt=\"Cutting of the notches\" width=\"300\" height=\"169\" class=\"size-medium wp-image-2101\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb3-300x169.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb3-800x450.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb3-768x432.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb3-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb3-600x338.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb3.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2100\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 3: Cutting of the notches over the glue line with a blade.<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_2102\" aria-describedby=\"caption-attachment-2102\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb4-300x169.jpg\" alt=\"Hollowing out the halves with an endscraper\" width=\"300\" height=\"169\" class=\"size-medium wp-image-2103\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb4-300x169.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb4-800x450.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb4-768x432.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb4-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb4-600x338.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb4.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2102\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 4: Hollowing out the halves with an endscraper.<\/figcaption><\/figure>\n<p><span class=\"clear\"><\/span><br \/>\nIm Wesentlichen kann ich die Ergebnisse des Blaubeurener Experiments best\u00e4tigen. Allerdings hatte ich beim gleichm\u00e4\u00dfigen Aush\u00f6hlen der beiden Stabh\u00e4lften (Abb. 4) an den Enden nicht so gro\u00dfe Schwierigkeiten wie die Kollegen (Trommer et al. 2013, 65); dies mag daran liegen, dass ich beim Schnitzen des L\u00f6wenmenschen in Hunderten von Arbeitsstunden genug \u00fcben konnte. Letztlich ist es dann auch eine Geduldsfrage, welche Pr\u00e4zision der Schnitzarbeit am Ende erreicht wird. Vorausgesetzt, dass ein frischer Mammutsto\u00dfzahn (ann\u00e4hernd) dieselben Eigenschaften aufweist wie rezentes Elfenbein, kann ich die Fragen der Blaubeurener Gruppe (Ebd. 63) hinsichtlich der Bearbeitbarkeit wie folgt beantworten: Der Elefantensto\u00dfzahn, aus dem ich den L\u00f6wenmenschen hergestellt habe, war genauso hart und schwer zu bearbeiten wie das fossile Elfenbein, das ich f\u00fcr alle anderen Replikationen verwendet habe und welches aus derselben Quelle stammt wie das in ihrem Versuch verwendete. Das muss jedoch nicht f\u00fcr jedes fossile Material gelten: Wie eine Begebenheit anl\u00e4sslich meines Workshops im British Museum in London zeigte, kann Elfenbein aus unterschiedlichen Teilen desselben fossilen Sto\u00dfzahns sehr verschiedene Eigenschaften haben (Hein 2018, 442). Fraglich ist allerdings, ob solches Material sich dann zur Herstellung einer Fl\u00f6te eignet, f\u00fcr die man ja eher die beste Qualit\u00e4t aussuchen w\u00fcrde, weil die Wandst\u00e4rke des k\u00fcnstlich erschaffenen Rohres mit nur 1,5 mm sehr d\u00fcnn ist und es vor allem auf die Stabilit\u00e4t und Passgenauigkeit der R\u00e4nder ankommt, wenn beide H\u00e4lften zusammengesetzt werden.<\/p>\n<p>Im Unterschied zum Blaubeurener Team habe ich jedoch diese R\u00e4nder nicht abgeschr\u00e4gt, sondern lediglich an der Au\u00dfenseite eine kleine Fase (abgeschr\u00e4gte Fl\u00e4che) angeschliffen. Auch habe ich nicht die H\u00e4lften zusammengesetzt, fixiert und dann den Klebstoff eingebracht, sondern zuerst den Klebstoff auf beide H\u00e4lften aufgetragen (Abb. 5), \u00fcber einer Fettlampe gleichm\u00e4\u00dfig erhitzt und dann die beiden Teile zusammengef\u00fcgt (Abb. 6). Zum Verkleben habe ich ebenfalls Birkenpech verwendet, das im Doppeltopfverfahren hergestellt wurde und daher sehr fein ausgefallen ist. Ob eine derartige Qualit\u00e4t im Aurignacien akeramisch hergestellt werden konnte, ist unklar, aber prinzipiell l\u00e4sst sich der Klebstoff aus Birkenrinde auch ohne T\u00f6pfe gewinnen (Palmer 2007; Schmidt et al. 2019). Beim Eindicken des gewonnenen Teers zu Pech l\u00e4sst sich durch die Dauer des Vorgangs die Viskosit\u00e4t mit etwas Erfahrung relativ genau einstellen. Wenn man Elfenbein oder andere Materialien verkleben will, muss man sehr darauf achten, dass das Pech nicht zu weich ist, sonst schmilzt es bei geringen Temperaturen und schmiert anstatt zu kleben. Es darf aber auch nicht zu hart sein, sonst wird es spr\u00f6de und br\u00f6ckelt aus der Klebefuge wieder heraus. Bei meiner eigenen GK 3-Fl\u00f6te, die ich 2012, hergestellt habe und die ich seither bei unz\u00e4hligen Veranstaltungen und Reisen mitgef\u00fchrt, gezeigt und (mit meinen sehr bescheidenen F\u00e4higkeiten als Fl\u00f6tist) auch gespielt habe, sind die Klebefugen noch v\u00f6llig intakt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2104\" aria-describedby=\"caption-attachment-2104\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb5-300x169.jpg\" alt=\"Applying the adhesive birch pitch to the adhesive surfaces\" width=\"300\" height=\"169\" class=\"size-medium wp-image-2105\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb5-300x169.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb5-800x450.jpg 800w, 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loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb7-300x169.jpg\" alt=\"Scraping off the excess adhesive with a burin\" width=\"300\" height=\"169\" class=\"size-medium wp-image-2109\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb7-300x169.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb7-800x450.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb7-768x432.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb7-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb7-600x338.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb7.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2108\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 7: Scraping off the excess adhesive with a burin.<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_2110\" aria-describedby=\"caption-attachment-2110\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb8-300x169.jpg\" alt=\"Wrapping the body of the flute with wet animal tendon\" width=\"300\" height=\"169\" class=\"size-medium wp-image-2111\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb8-300x169.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb8-800x450.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb8-768x432.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb8-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb8-600x338.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb8.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2110\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 8: Wrapping the body of the flute with wet animal tendon.<\/figcaption><\/figure>\n<p><span class=\"clear\"><\/span><br \/>\nWenn sich beim Zusammenf\u00fcgen der H\u00e4lften Pechw\u00fclste im Rohr bilden, kann man das Innere leicht erw\u00e4rmen und die W\u00fclste mit einem ebenfalls erw\u00e4rmten Knochen- oder Holzstab vorsichtig gl\u00e4tten. Allzu starke W\u00fclste w\u00fcrden den Luftstrom und damit die Spielbarkeit beeinflussen. Abschlie\u00dfend wird das \u00fcberst\u00e4ndige Pech auf der Oberfl\u00e4che vorsichtig mit einem Stichel abgeschabt (Abb. 7).<\/p>\n<p>Eines ist meines Erachtens sicher: Ohne Klebstoff ist eine luftdichte Verbindung beider H\u00e4lften, ohne welche wiederum die Fl\u00f6te nicht spielbar w\u00e4re, unm\u00f6glich. Welches Material daf\u00fcr aber tats\u00e4chlich verwendet wurde, ist noch unklar (Conard et al. 2004, 456). Frank Trommer, der an dem Blaubeurener Experiment teilnahm, hat inzwischen bei neuen Nachbauten mit Erfolg eine Mischung aus Harz und Wachs &#8211; und fallweise sogar \u00d6l &#8211; benutzt (frdl. pers\u00f6nl. Mitt.). \u00dcber die Verwendung einer solchen Mixtur bzw. einzelner Bestandteile im Pal\u00e4olithikum wurde schon fr\u00fcher spekuliert (Stodiek 1993, 151), mittlerweile ist sie durch entsprechende Funde nachgewiesen (Thieme et al. 2014, 68; Baales et al. 2017, 1160).<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend muss das Fl\u00f6tenrohr mittels einer Bindung gesichert werden (Abb. 8). Sowohl das Holdermann-Team in Blaubeuren als auch ich verwenden daf\u00fcr Tiersehne, in meinem Fall Beinsehnen vom Rentier. Diese werden (falls getrocknet in Wasser eingeweicht, sonst in frischem Zustand) zwischen zwei Kieseln geklopft und dann in ganz feine F\u00e4den aufgeteilt. Anschlie\u00dfend legt man diese einzeln und nass in mehreren Lagen um die Fl\u00f6te herum, das \u2013 m\u00f6glichst d\u00fcnne \u2013 lose Ende wird ein- oder zweimal unter der letzten Windung hindurchgezogen, damit es sich nicht wieder abl\u00f6sen kann. Beim Trocknen zieht sich diese Wicklung sehr stark zusammen, gleichzeitig verkleben die einzelnen Fasern miteinander, sodass eine stabile und haltbare Verbindung den Zusammenhalt der beiden Fl\u00f6tenh\u00e4lften garantiert.<\/p>\n<p>Es kommen nat\u00fcrlich auch andere Materialien wie Pflanzenfasern, etwa der Bast von Weiden oder Brennnesselfasern, und evtl. sogar d\u00fcnne Leder- oder Rohhautstreifen infrage, aber mit Sehne haben wir bisher die besten Erfahrungen gemacht. Au\u00dferdem tr\u00e4gt eine Bindung mit diesem Material nur sehr gering auf, was beim Spielen der Fl\u00f6te von Vorteil ist, da man besser umgreifen kann. Ob zus\u00e4tzlich ein Klebstoff verwendet wurde (Conard et al. 2004, 456), ist noch unklar, es k\u00f6nnte sich dabei um Hautleim handeln, der mittlerweile zumindest f\u00fcr das Neolithikum nachgewiesen ist (Bleicher et al. 2015). Dieser w\u00fcrde in der Tat die Haftung einer (Sehnen)Bindung noch weiter verbessern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2112\" aria-describedby=\"caption-attachment-2112\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb9.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb9-300x169.jpg\" alt=\"Scraping the finger holes with a burin\" width=\"300\" height=\"169\" class=\"size-medium wp-image-2113\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb9-300x169.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb9-800x450.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb9-768x432.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb9-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb9-600x338.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb9.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2112\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 9: Scraping the finger holes with a burin.<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_2114\" aria-describedby=\"caption-attachment-2114\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb10-300x169.jpg\" alt=\"Creation of the labium by grinding on a fine sandstone\" width=\"300\" height=\"169\" class=\"size-medium wp-image-2115\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb10-300x169.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb10-800x450.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb10-768x432.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb10-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb10-600x338.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb10.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2114\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 10: Creation of the labium by grinding on a fine sandstone.<\/figcaption><\/figure>\n<p><span class=\"clear\"><\/span><br \/>\nOb die Griffl\u00f6cher vor dem Zusammensetzen der H\u00e4lften angebracht wurden oder erst danach, l\u00e4sst sich nicht mehr kl\u00e4ren, auf jeden Fall geschah dies aber erst nach dem Aush\u00f6hlen der einen H\u00e4lfte (frdl. Mitt. Malina). Die Blaubeurener haben sie vorher eingeschabt, ich ziehe es vor, diesen Arbeitsgang erst nach dem Zusammenbau vorzunehmen (Abb. 9). Dann ist das Rohr wieder stabiler und l\u00e4sst sich leichter handhaben. Wie ich schon bei der Arbeit am L\u00f6wenmenschen erfahren konnte, muss beim Schaben immer \u201emit der Faser\u201c gearbeitet werden, also von der Oberfl\u00e4che der Fl\u00f6te nach unten ins Griffloch hinein. Arbeitet man umgekehrt und gegen die Faser, beginnt das Steinwerkzeug zu \u201arattern\u2018 und hinterl\u00e4sst kleine unsch\u00f6ne Abs\u00e4tze. Nicht nachvollziehen kann ich die Bemerkung im Bericht von Trommer et. al. (2013), dass die R\u00e4nder der Griffl\u00f6cher scharf sein m\u00fcssen, um den Luftstrom zu brechen. Der Fl\u00f6tenton wird ja ausschlie\u00dflich am Mundst\u00fcck erzeugt, an dessen Labium der Luftstrom geteilt werden muss. W\u00e4re dies nicht der Fall, w\u00fcrden moderne Blockfl\u00f6ten oder die Fl\u00f6te von der \u00f6sterreichischen Fundstelle Grubgraben (Einw\u00f6gerer und K\u00e4fer 1998) mit gebohrten L\u00f6chern gar nicht funktionieren. Abschlie\u00dfend erfolgt das Anbringen der Anblaskerbe, das ich auf unterschiedlich feinen Schleifsteinen vornehme (Abb. 10).<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2020 wurde ich von Prof. David Haskell von der University of the South, Sewanee, Tennessee, USA, gebeten, ihm eine Rekonstruktion der Mammutelfenbeinfl\u00f6te anzufertigen. Diese sollte nicht zwingend ein exakter Nachbau der Fl\u00f6te sein, sondern in erster Linie die technischen F\u00e4higkeiten der Eiszeitj\u00e4ger demonstrieren. Da ich noch einen Elfenbeinstab von 35 cm L\u00e4nge vorr\u00e4tig hatte, schlug ich meinem Auftraggeber vor, den Nachbau auf dieses Ma\u00df zu verl\u00e4ngern, und setzte mich gleichzeitig mit Anna Friederike Potengowski, Fl\u00f6tistin und ausgewiesenen Expertin f\u00fcr pal\u00e4olithische Fl\u00f6ten, in Verbindung, weil dies f\u00fcr uns eine einmalige Chance war, eine erg\u00e4nzte Version nach ihren Vorstellungen herstellen und auch spielen zu k\u00f6nnen (Abb. 11). Die Dimensionen und Positionen der Griffl\u00f6cher und des Labiums folgen denen der Mammutelfenbeinfl\u00f6te (GK3, Labium), der Fl\u00f6te vom Hohle Fels (HF 1, f\u00fcnf L\u00f6cher ab dem proximalen Ende) und den Ma\u00dfen von A. F. Potengowskis Hand (zwei L\u00f6cher distal). Prof. Haskell war damit einverstanden, und so entstand die aktuelle Version einer pal\u00e4olithischen Fl\u00f6te aus Mammutsto\u00dfzahn (Abb. 12).<\/p>\n<figure id=\"attachment_2116\" aria-describedby=\"caption-attachment-2116\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb11-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb11-800x181.jpg\" alt=\"Schematic sketch of the dimensions and positions of the finger holes and the labium\" width=\"800\" height=\"181\" class=\"size-large wp-image-2117\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb11-800x181.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb11-300x68.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb11-768x174.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb11-1536x348.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb11-2048x464.jpg 2048w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb11-600x136.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2116\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 11: Schematic sketch of the dimensions and positions of the finger holes and the labium, taking into account the flutes GK3 and HF1 as well as the hand dimensions of the flutist A. F. Potengowski.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Verklebung der beiden H\u00e4lften habe ich aus Gr\u00fcnden der besseren Haltbarkeit versteckt mit einem modernen Zweikomponenten-Kleber vorgenommen und meinte, deswegen auf eine Wicklung direkt am Anblasende verzichten zu k\u00f6nnen. Ich wurde jedoch schnell eines Besseren belehrt, denn das Elfenbein \u201earbeitet\u201c, sprich verzieht sich, wie schon Malina und Ehmann (2009, 107) bemerken:<\/p>\n<p><q>\u201eBeim Versuch [musste] darauf geachtet werden, die beiden H\u00e4lften nicht zu lange unabh\u00e4ngig voneinander liegen zu lassen. Nur passgenau und fest aneinander geschn\u00fcrt, konnten sie auch passend bleiben.\u201c<\/q><\/p>\n<p>Nachdem A. F. Potengowski die Fl\u00f6te ein paar Tage gespielt hatte, l\u00f6sten sich die H\u00e4lften am Mundst\u00fcckende voneinander. Zwei zus\u00e4tzliche Wicklungen sorgten hier jedoch f\u00fcr Abhilfe, seither bleiben die beiden H\u00e4lften in Position und haben sich nicht mehr ver\u00e4ndert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2118\" aria-describedby=\"caption-attachment-2118\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb12-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb12-800x534.jpg\" alt=\"ivory flute\" width=\"800\" height=\"534\" class=\"size-large wp-image-2119\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb12-800x534.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb12-300x200.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb12-768x513.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb12-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb12-2048x1367.jpg 2048w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hein_abb12-600x401.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2118\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 12: The finished ivory flute.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<p>Baales, M., Birker, S. und Mucha, F. 2017: Hafting with Beeswax in the Final Palaeolithic: A Barbed Point from Bergkamen. Antiquity 91, 1155\u20131170.<\/p>\n<p>Banerjee, A., Huth, J. und Dindorf, W. 2011: Untersuchungen von arch\u00e4ologischem Elfenbein. In: A. Banerjee und C. Eckmann (Hrsg.), Elfenbein und Arch\u00e4ologie. RGZM-Tagungen 7. Mainz: Verlag des R\u00f6misch-Germanischen Zentralmuseums, 1\u201318.<\/p>\n<p>Bleicher, N., Kelstrup, C., Olsen, J. V. und Cappellini. E. 2015: Molecular Evidence of Use of Hide Glue in 4th Millennium BC Europe. Journal of Archaeological Science 63, 65\u201371.<\/p>\n<p>Buisson, D. 1990: Les fl\u00fbtes pal\u00e9olithiques d\u2019Isturitz (Pyr\u00e9n\u00e9es Atlantiques). Bulletin de la Soci\u00e9t\u00e9 pr\u00e9historique fran\u00e7aise 87, 420\u2013433.<\/p>\n<p>Conard, N. J., Malina, M., M\u00fcnzel, S. C. und Seeberger, F. 2004: Eine Mammutfl\u00f6te aus dem Aurignacien des Geissenk\u00f6sterle. Neue Belege f\u00fcr eine musikalische Tradition im fr\u00fchen Jungpal\u00e4olithikum auf der Schw\u00e4bischen Alb. Arch\u00e4ologisches Korrespondenzblatt 34, 447\u2013462.<\/p>\n<p>Conard, N. J., Malina, M. und M\u00fcnzel, S. C. 2009: New Flutes Document the Earliest Musical Tradition in Southwestern Germany. Nature 460, 737\u2013740.<\/p>\n<p>Dutkiewicz, E. 2021: Zeichen. Markierungen, Muster und Symbole im Schw\u00e4bischen Aurignacien. T\u00fcbingen: Kerns Verlag.<\/p>\n<p>Einw\u00f6gerer, T. und K\u00e4fer, B. 1998: Eine jungpal\u00e4olithische Knochenfl\u00f6te aus der Station Grubgraben bei Kammern, Nieder\u00f6sterreich. Arch\u00e4ologisches Korrespondenzblatt 28, 21\u201330.<\/p>\n<p>Hahn, J. 1988: Die Gei\u00dfenkl\u00f6sterle-H\u00f6hle im Achtal bei Blaubeuren I. Fundhorizontbildung und Besiedlung im Mittelpal\u00e4olithikum und im Aurignacien. Forschungen und Berichte zur Vor- und Fr\u00fchgeschichte in Baden-W\u00fcrttemberg 26. Stuttgart: Konrad Theiss Verlag.<\/p>\n<p>Hahn, J. und Hein, W. 1995: Eiszeitorchester &#8211; Experimentelle Nachbildung von Knochenfl\u00f6ten aus der j\u00fcngeren Altsteinzeit. In: A. Scheer (Hrsg.): Eiszeitwerkstatt &#8211; Experimentelle Arch\u00e4ologie. Museumsheft 2. Blaubeuren: Urgeschichtliches Museum Blaubeuren, 16\u201323.<\/p>\n<p>Hahn, J. und M\u00fcnzel, S. 1995: Knochenfl\u00f6ten aus dem Aurignacien des Gei\u00dfenkl\u00f6sterle bei Blaubeuren, Alb-DonauKreis. Fundberichte aus Baden-W\u00fcrttemberg 20, 1\u201312.<\/p>\n<p>Hein, W. 2018: Tusks and Tools \u2013 Experiments in Carving Mammoth Ivory. L\u2018Anthropologie 122, 437\u2013446.<\/p>\n<p>Hein, W. und Hahn. J. 1998: Experimentelle Nachbildung von Knochenfl\u00f6ten aus dem Aurignacien der Geissenkl\u00f6sterle-H\u00f6hle. In: M. Fansa (Hrsg.), Experimentelle Arch\u00e4ologie, Bilanz 1997. Arch\u00e4ologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland, Beiheft 19. Oldenburg: Isensee Verlag, 65\u201373.<\/p>\n<p>K\u00e4fer, B. 1998: Pal\u00e4olithische Knochenfl\u00f6ten im Ostalpenraum und dem nord\u00f6stlich vorgelagerten L\u00f6\u00dfgebiet. Magisterarbeit am Institut f\u00fcr Volksmusikforschung an der Hochschule f\u00fcr Musik und darstellende Kunst, Wien.<\/p>\n<p>Malina, M. und Ehmann, R. 2009: Elfenbeinspaltung im Aurignacien. Zur Herstellung der Elfenbeinfl\u00f6te aus dem Gei\u00dfenkl\u00f6sterle. Mitteilungen der Gesellschaft f\u00fcr Urgeschichte 18, 93\u2013107.<\/p>\n<p>M\u00fcnzel, S. C., Conard, N. J., Hein, W., Gill, F. und Potengowski, A. F. 2016: Interpreting Three Upper Palaeolithic Wind Instruments from Germany and One from France as Flutes. (Re)construction, Playing Techniques and Sonic Results. In: R. Eichmann, L.-C. Koch und J. Fang (Hrsg.), Klang \u2013 Objekt \u2013 Kultur \u2013 Geschichte. Studien zur Musikarch\u00e4ologie X. Rahden\/Westf.: Verlag Marie Leidorf, 225\u2013243.<\/p>\n<p>Palmer, F. 2007: Die Entstehung von Birkenpech in einer Feuerstelle unter pal\u00e4olithischen Bedingungen. Mitteilungen der Gesellschaft f\u00fcr Urgeschichte 16, 75\u201383.<\/p>\n<p>Potengowski, A. F. und M\u00fcnzel. S. C. 2015: Die musikalische \u201eVermessung\u201c pal\u00e4olithischer Blasinstrumente der Schw\u00e4bischen Alb anhand von Rekonstruktionen. Anblastechniken, Tonmaterial und Klangwelt. Mitteilungen der Gesellschaft f\u00fcr Urgeschichte 24, 173\u2013191.<\/p>\n<p>Schmidt, P., Blessing, M., Rageot, M., Iovita, R., Pfleging, J., Nickel, K. G., Righetti, L. und Tennie, C. 2019: Birch Tar Production Does Not Prove Neanderthal Behavioral Complexity. Proceedings of the National Academy of Sciences of the U.S.A. 116, 17707\u201317711.<\/p>\n<p>Seeberger, F. 1998: Zur Spielweise pal\u00e4olithischer Knochenfl\u00f6ten. Arch\u00e4ologisches Korrespondenzblatt 28, 31\u201333.<\/p>\n<p>Seeberger, F. 1999: Sind jungpal\u00e4olithische Hirtenfl\u00f6ten Vorl\u00e4ufer mediterraner Hirtenfl\u00f6ten? Arch\u00e4ologisches Korrespondenzblatt 29, 155\u2013157.<\/p>\n<p>Stodiek, U. 1993: Zur Technologie der jungpal\u00e4olithischen Speerschleuder. Eine Studie auf der Basis arch\u00e4ologischer, ethnologischer und experimenteller Erkenntnisse. T\u00fcbinger Monographien zur Urgeschichte 9. T\u00fcbingen: Archaeologica Venatoria.<\/p>\n<p>Thieme, H., Fiedler, L., Baumer, U. und Dietemann, P. 2014: Jungpal\u00e4olithische Funde von der Wallburg \u201eK\u00f6nig Heinrichs Vogelherd\u201c bei P\u00f6hlde, Stadt Herzberg am Harz, Ldkr. Osterode am Harz. Die Kunde 65, 57\u201382.<\/p>\n<p>Trommer, F., Holdermann, A. und Wiedmann, H. 2013: Der Nachbau einer pr\u00e4historischen Fl\u00f6te aus Mammutelfenbein &#8211; neue Erkenntnisse zu Technik und Zeitaufwand. In: Experimentelle Arch\u00e4ologie in Europa, Bilanz 2013, Heft 12. Unteruhldingen: EXAR, 60\u201369.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nSeit der Entdeckung der Fl\u00f6ten aus den Aurignacien-Schichten der H\u00f6hlen auf der Schw\u00e4bischen Alb besch\u00e4ftigt sich der Autor mit der Rekonstruktion dieser bislang \u00e4ltesten Musikinstrumente der Welt. Der folgende Bericht beschreibt die Erfahrungen, die bei der Arbeit gesammelt werden konnten, am Beispiel des j\u00fcngsten Nachbaus der Mammutelfenbeinfl\u00f6te aus dem Gei\u00dfenkl\u00f6sterle.\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/zur-rekonstruktion-der-mammutelfenbeinfloete-aus-dem-geissenkloesterle-ein-erfahrungsbericht\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;On the Reconstruction of the Mammoth Ivory Flute from Gei\u00dfenkl\u00f6sterle Cave. 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