{"id":1079,"date":"2021-04-12T10:51:09","date_gmt":"2021-04-12T08:51:09","guid":{"rendered":"https:\/\/kernsverlag.com\/?p=1079"},"modified":"2021-04-16T00:54:07","modified_gmt":"2021-04-15T22:54:07","slug":"functional-study-of-an-archaeological-tool-of-mammoth-ivory-with-four-spiral-holes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/functional-study-of-an-archaeological-tool-of-mammoth-ivory-with-four-spiral-holes\/","title":{"rendered":"Functional Study of an Archaeological Tool of Mammoth Ivory with Four Spiral Holes"},"content":{"rendered":"<div class=\"authors-information\"><strong>Tooma\u00ef Boucherat<\/strong><br \/>\nArch\u00e9ologie exp\u00e9rimentale<br \/>\nChercheur associ\u00e9<br \/>\nLAMPEA CNRS umr 72 69<br \/>\ntoomaidomi@free.fr<\/div>\n<h2>Abstract<\/h2>\n<p>In an archaeological experiment, the hypothesis was tested whether the replica of a perforated <span class=\"fachbegriff\">b\u00e2ton perc\u00e9<\/span> with four spiral holes made from mammoth ivory, which was excavated in 2015 at Hohle Fels Cave in Schelklingen, is suitable for making ropes. For this purpose, the author has experimentally carved the object with tools based on corresponding devices from the Upper Paleolithic. Leather cords were used to make the rope, which were fed through the four holes as a bundle of fibers. The four strands were twisted individually and finally twisted into a four-strand rope. At least six participants are required to successfully conduct the experiment. As a result, it is shown that rope production is possible using the <span class=\"fachbegriff\">b\u00e2ton perc\u00e9<\/span>.<\/p>\n<h2>Zielsetzung<\/h2>\n<p>Ziel meines im Jahre 2020 durchgef\u00fchrten Experimentes ist der Versuch zu testen, ob mittels eines Ger\u00e4ts aus Mammutelfenbein mit vier spiralf\u00f6rmigen L\u00f6chern drei- oder vierstr\u00e4ngige Seile mit gro\u00dfem Querschnitt hergestellt werden k\u00f6nnen (vgl. Conard und Rots 2016), die in der Lage sind, Kr\u00e4fte in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 600 kg bis 1000 kg unter Spannung oder Aufh\u00e4ngung zu standzuhalten (ein aus 8 mm-Litzen gedrehtes Seil ergibt nach Fertigstellung ein Seil mit einem Querschnitt von 20 mm). Diese Leistungsschwankung der Zugkraft h\u00e4ngt von dem zur Herstellung des Seils verwendeten Material, der L\u00e4nge der verwendeten Fasern und der Anzahl der Drehungen pro laufendem Meter der Litzen vor der Nutzung ab. Solche Seile sind von gro\u00dfer Wichtigkeit f\u00fcr die Herstellung bestimmter Fallen, Schlingen oder Aufh\u00e4ngungen von Jagdnetzen f\u00fcr gro\u00dfe Tiere. Sie k\u00f6nnen auch bei H\u00f6hlenerkundungen f\u00fcr den Abstieg in Hohlr\u00e4ume verwendet werden. Derartige Seile sind f\u00fcr Nomadenv\u00f6lker bei ihren Wanderbewegungen (mit Schlitten, Stangenschlitten, Tragevorrichtungen) unverzichtbar. Hier habe ich mir Anregungen f\u00fcr den Verwendungszweck von Seilen im Pal\u00e4olithikum geholt.<\/p>\n<p>Die Steinartefakte werden aus einer Rohmaterialknolle geschlagen und dann zu speziellen Werkzeugen umgearbeitet. Es gilt aber festzuhalten, dass Menschen, die es gewohnt sind, Feuerstein, Quarzit oder Obsidian zu verwenden, oft auch einfache Abschl\u00e4ge verwenden, um auf diese Weise Rohstoff einzusparen. Um das zu analysierende Elfenbeinobjekt zu rekonstruieren, musste ich unter Zuhilfenahme von Schlagger\u00e4ten aus Quarzit und Granit, Hirschgeweih und Buchsbaumholz sowie, f\u00fcr den indirekten Schlag, Punchen (Zwischenst\u00fccken) aus Elchgeweih Klingen, Stichel, Kratzer, Bohrer und Lamellen herstellen. Sch\u00e4fte f\u00fcr Klingen, Lamellen oder Noailles-Stichel habe ich aus Hirschgeweih und Eschenholz gefertigt. Dabei verwendete ich pr\u00e4historischen Kleber aus Kiefernharz, Bienenwachs oder Birkenpech. Der verwendete Feuerstein stammt aus Ch\u00e2teauneuf-les-Martigues, aus Sault und aus Murs (Abb. 1).<\/p>\n<figure id=\"attachment_1061\" aria-describedby=\"caption-attachment-1061\" style=\"width: 735px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1061\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_2-735x800.jpg\" alt=\"Artikel als PDF\" width=\"735\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_2-735x800.jpg 735w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_2-276x300.jpg 276w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_2-768x836.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_2-1412x1536.jpg 1412w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_2-1882x2048.jpg 1882w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_2-300x326.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_2-600x653.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 735px) 100vw, 735px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1061\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 1: Completed <span class=\"fachbegriff\">b\u00e2ton perc\u00e9<\/span> and the flint tools used for production (photo: T. Boucherat).<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Bearbeitung eines Sto\u00dfzahns<\/h2>\n<p>Das Vorbild des Werkzeugs ist der Lochstab aus dem Hohle Fels bei Schelklingen (S\u00fcdwestdeutschland), der 2015 dort ausgegraben wurde (Conard und Malina 2016 mit Farbfoto). Die Rohform des Werkzeugs wird aus dem mesialen Teil eines Sto\u00dfzahnes geschnitten, um ein Instrument von 25 mm Dicke und 225 mm L\u00e4nge zu erhalten, das nach Abschluss der Vorbereitungsarbeiten und des Polierens die Herstellung eines Faksimiles in der gleichen Gr\u00f6\u00dfe wie das Original erm\u00f6glicht, das f\u00fcr nachfolgende Experimente verwendet werden kann (Abb. 2.1).<\/p>\n<figure id=\"attachment_1063\" aria-describedby=\"caption-attachment-1063\" style=\"width: 685px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1063\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_1-685x800.jpg\" alt=\"Arbeitsskizze\" width=\"685\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_1-685x800.jpg 685w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_1-257x300.jpg 257w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_1-768x897.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_1-1315x1536.jpg 1315w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_1-1753x2048.jpg 1753w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_1-300x351.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_1-600x701.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 685px) 100vw, 685px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1063\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 2: 1)&nbsp;Removing a blank for a <span class=\"fachbegriff\">b\u00e2ton perc\u00e9<\/span> from a mammoth tusk; 2)&nbsp;cutting and sawing on both sides in order to separate the blank, which was previously grooved on both sides in the middle. Blades and burins are used for this; 3)&nbsp;these grooves are deepened after being separated from the tusk with the help of wedges; 4)&nbsp;then one half is trimmed in the desired shape and four holes are drilled with threads. A hafted flint tool is used for this; 5)&nbsp;then the <span class=\"fachbegriff\">b\u00e2ton perc\u00e9<\/span> is provided with notches (drawings: T. Boucherat).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Man muss den Sto\u00dfzahn f\u00fcr mehrere Wochen in Wasser tr\u00e4nken, bevor man mit der Arbeit beginnen kann. Der mit Wasser vollgesogene Sto\u00dfzahn l\u00e4sst sich leichter bearbeiten, besonders das Schneiden und Bohren ist einfacher in diesem Zustand. Die ersten Arbeiten werden an den L\u00e4ngsseiten durchgef\u00fchrt: zwei parallele Rillen im Abstand von 20 mm werden auf jeder Seite des mesialen Teils des Sto\u00dfzahns \u00fcber 300 mm eingeschnitten, dann werden sie zur Mitte des Sto\u00dfzahns hin vertieft. Die Rillen werden um 10 mm vertieft, und zwei Elfenbeinst\u00e4be werden herausgehebelt, die zur Herstellung von Nadeln oder Pfriemen verwendet werden k\u00f6nnen. Nach dem Heraushebeln der Elfenbeinst\u00e4be werden gesch\u00e4ftete Noailles-Stichel verwendet, um die erhaltenen Rillen einzutiefen. Die beiden auf diese Weise auf jeder Seite des Sto\u00dfzahnes erhaltenen tiefen Rillen erm\u00f6glichen die sp\u00e4tere Trennung des Elfenbeinrohlings in der Mitte (Abb. 2.2).<\/p>\n<p>Der zweite Schritt ist das Herausl\u00f6sen des Rohlings aus dem Sto\u00dfzahn. Dazu werden gekerbte Klingen eingesetzt. Diese werden wie S\u00e4gen verwendet, um die Einkerbungen noch weiter einzutiefen. Au\u00dferdem werden gesch\u00e4ftete Stichel wie Mei\u00dfel mittels indirekten Schlages verwendet, um die Kerben in der gleichen Vorgehensweise wie zuvor einzutiefen. Das mesiale Teilst\u00fcck des Sto\u00dfzahns, das etwa 300 mm misst, wird distal und proximal vom \u00fcbrigen Sto\u00dfzahn getrennt, indem es durchges\u00e4gt wird. Die beiden L\u00e4ngsrillen an diesem Sto\u00dfzahnst\u00fcck werden weiter in Richtung Mitte vertieft, bis sie verbunden sind. F\u00fcr diese Arbeit werden Hebel oder Knochenkeile verwendet (Abb. 2.3).<\/p>\n<p>Das Werkzeug wird auf einem Quarzitschleifstein mit Wasser poliert. Zuerst wird Feuersteinpulver hinzugef\u00fcgt, um das Objekt zu formen; danach wird nur die Quarzit-Oberfl\u00e4che f\u00fcr das abschlie\u00dfende Polieren verwendet. Das Bohren der L\u00f6cher erfolgt nach der beidseitigen Festlegung der Bohrl\u00f6cher mit Feuersteinspitzen, die auf Sch\u00e4ften montiert sind, welche auf dem Oberschenkel gerollt werden, wobei das zu bohrende Teil in der Achse gehalten wird und man gleichzeitig einen ausreichenden Druck aufrechterh\u00e4lt (Abb. 2.4). Damit kann das Werkzeug effizient genutzt werden, ohne die Rotation zu blockieren. Dieselbe Vorgehensweise wird auf der gegen\u00fcberliegenden Seite verwendet, um die L\u00f6cher zusammentreffen zu lassen. Nach Abschluss der Bohrung werden die erhaltenen L\u00f6cher so aufgebohrt, dass sie jeweils einen Lochdurchmesser von zehn Millimeter f\u00fcr alle vier Perforationen aufweisen.<\/p>\n<p>Der heikelste Arbeitsschritt besteht darin, das Gewinde im Loch selbst auf einer Dicke von 15 mm mit sehr feinen, auf Eschenholzstangen gesch\u00e4fteten Spitzklingen auszuf\u00fchren (Abb. 2.5) dies ist in der Tat nicht einfach durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1066\" aria-describedby=\"caption-attachment-1066\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1066\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_3-800x280.jpg\" alt=\"Gro\u00dfaufnahme Kerbung um ein Loch\" width=\"800\" height=\"280\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_3-800x280.jpg 800w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_3-300x105.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_3-768x269.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_3-1536x538.jpg 1536w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_3-600x210.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_3.jpg 1906w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1066\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 3: Finishing the notches around the hole with the help of different flint tools (photos: T. Boucherat).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir sehen auf den Vergr\u00f6\u00dferungen der Bilder, dass die Rillen der Gewinde geneigt sind und keine offensichtlichen Benutzungsspuren aufweisen (Abb. 3). Daraus kann ich schlie\u00dfen, dass entweder das Objekt nach seiner Herstellung nur wenig benutzt wurde oder das bearbeitete Material besonders weich und nicht sehr abrasiv war.<\/p>\n<h2>Rohstoffe f\u00fcr die Herstellung von Seilen<\/h2>\n<p>Welche Materialien k\u00f6nnen f\u00fcr die Herstellung der Seile verwendet werden? Das Biotop, in dem die wollhaarigen Mammuts lebten, sind Grasebenen mit Tundra-Vegetation. In den T\u00e4lern und entlang der Fl\u00fcsse gab es kleine B\u00e4ume wie Silberbirke, Nadelb\u00e4ume und verschiedene Str\u00e4ucher. Der Fundort des zu untersuchenden originalen Objektes befindet sich auf der Schw\u00e4bischen Alb, im Hohle Fels. Die kalibrierten C14-Daten f\u00fcr die aurignacienzeitlichen Schichten werden zwischen 34.000 und 42.000 Jahren BP angegeben (z.B. Bataille und Conard 2018). Elfenbein liefert meist keine perfekten Daten, wenn das Kollagen nicht gut erhalten ist. Au\u00dferdem ist das Artefakt selbst zu kostbar, um f\u00fcr eine Probe Material zu entnehmen. Die Daten stammen daher von den Knochen mit Schnittspuren oder von Holzkohle und vergesellschafteten Artefakten. Die arch\u00e4ologische Schicht, aus der das Objekt stammt, ist AH Va, die beinahe tiefste aurignacienzeitliche Schicht im Tunnelbereich der H\u00f6hle. Dies ist der Bereich des t\u00e4glichen Lebens mit Tausenden von Stein- und Knochenartefakten, darunter \u00dcberreste von Mammuten, vor allem Elfenbein. Die Schw\u00e4bische Alb ist sehr reich an Aurignacien-Fundstellen mit Mammutresten (Sch\u00e4del, Rippen, gro\u00dfe Sto\u00dfzahnteile und Knochen von Jungtieren). Die Fauna, die diese Gebiete damals mit dem Menschen teilte, ist die der kalten Regionen: Rentiere, Pferde, Steppenbisons. Diese Tiere lebten auf gro\u00dfen Grasebenen mit wenig Baumvegetation. In solchem Zusammenhang ist es schwierig, Pflanzenfasern wie Flachs, Hanf oder Linde zu finden. Die angesprochenen Pflanzen sind im Aurignacien der Schw\u00e4bischen Alb nicht zu erwarten. Denkbar w\u00e4re aber die Verwendung von Mammuthaaren. In w\u00e4rmeren Perioden wird die Verwendung von Pflanzenfasern zur Herstellung von Seilen wahrscheinlicher.<\/p>\n<p>Ich habe in meinem Experiment beide M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Herkunft der Materialien \u2013 Pflanze und Tier \u2013 in Betracht gezogen.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_1068\" aria-describedby=\"caption-attachment-1068\" style=\"width: 427px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1068\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_4-427x800.jpg\" alt=\"Skizze Drehfunktion\" width=\"427\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_4-427x800.jpg 427w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_4-160x300.jpg 160w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_4-768x1438.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_4-820x1536.jpg 820w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_4-300x562.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_4-600x1124.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_4.jpg 1021w\" sizes=\"auto, (max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1068\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 4: The passing of fibers through one of the holes of the<br \/>\n<span class=\"fachbegriff\">b\u00e2ton perc\u00e9<\/span>; these were clamped in a wooden shaft (which is used as a handle) and turned with the help of the handle. Lateral view of the <span class=\"fachbegriff\">b\u00e2ton perc\u00e9<\/span> with four fiber bundles passed through (drawing: T. Boucherat).<\/figcaption><\/figure>Was die Pflanzen betrifft, so werde ich w\u00e4hrend des Fr\u00fchjahrs Hanf, aber keinen Flachs verarbeiten k\u00f6nnen. Bei Linde werde ich durch die Menge begrenzt (6 Monate Vorbereitungszeit) und k\u00f6nnte nur eine sehr kurze Probe mit drei Str\u00e4ngen herstellen. Bei tierischen Materialien werde ich Leder, Rosshaar und Eingeweide ausprobieren (leider stehen keine Mammuthaare zur Verf\u00fcgung; die \u00e4u\u00dfere Schicht der Deckhaare ist manchmal bis zu 1 m lang), und ich werde versuchen, die Deckhaare durch Rosshaar zu ersetzen. Daher bin ich bei meinem Experiment durch den Mangel an mehreren Rohstoffen eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Die N\u00fctzlichkeit des Schraubengewindes innerhalb jeder Durchlochung verstand ich w\u00e4hrend der Versuche (Abb. 4). Ich bemerkte, dass die verwendeten Fasern, tierische oder pflanzliche, w\u00e4hrend des erzwungenen Durchgangs durch die L\u00f6cher geordnet und aufeinandergepresst wurden und als gek\u00e4mmt herauskamen. Sie begannen ihre Drehungen mit der durch den Zug des Feststellers erzwungenen Bewegung gegen den Uhrzeigersinn.<\/p>\n<h2>Die Bedingungen der experimentellen Durchf\u00fchrung<\/h2>\n<p><strong>F\u00fcr die Durchf\u00fchrung des Experiments sind folgende Bedingungen wichtig:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Nicht weniger als sechs Personen f\u00fchren die Arbeiten aus, n\u00e4mlich vier zum Verdrehen, eine f\u00fcr jeden Strang und zwei f\u00fcr die Vorbereitung der Faserb\u00fcndel.<\/li>\n<li>Eine St\u00fctze f\u00fcr das Elfenbeinst\u00fcck: eine Strauchgabel mit zwei tiefen Einschnitten, um das Werkzeug in einer H\u00f6he von etwa 1,30 m am Rand zu befestigen, wobei das St\u00fcck horizontal montiert wird und die L\u00f6cher zu den Helfern zeigen.<\/li>\n<li>Trockenes Wetter, keine Restfeuchtigkeit am Morgen, freier Raum um die Werkzeugauflage.<\/li>\n<li>Perfekte Koordination der Ausf\u00fchrung der Aufgaben unter den Anweisungen des Leiters des Experiments.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Umsetzung<\/h2>\n<figure id=\"attachment_1073\" aria-describedby=\"caption-attachment-1073\" style=\"width: 481px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_5-481x800.jpg\" alt=\"Fotos der Arbeitsschritte\" width=\"481\" height=\"800\" class=\"size-large wp-image-1073\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_5-481x800.jpg 481w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_5-180x300.jpg 180w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_5-768x1279.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_5-923x1536.jpg 923w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_5-1230x2048.jpg 1230w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_5-300x499.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_5-600x999.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_5.jpg 1307w\" sizes=\"auto, (max-width: 481px) 100vw, 481px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1073\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 5: From top to bottom, in each case from left to right: 1)&nbsp;Prepared wooden clamp shafts for inserting fiber bundles; 2)&nbsp;four leather fiber bundles are passed through the four holes. These fiber bundles are clamped into the wooden shafts. The fiber bundles are knotted behind the holes, but were previously screwed tightly in front of the holes; 3)&nbsp;view of the tightly twisted strands clamped into the wooden shafts. Rope twisted from four strands, about 2 cm thick; 4)&nbsp;detailed view of the rope tied with a leather cord near the <span class=\"fachbegriff\">b\u00e2ton perc\u00e9<\/span> and the knotted end on the opposite side; 5)&nbsp;overall view of the elements used in rope production: four wooden clamp shafts, four leather strands twisted to form a strong rope, fixed on both sides by leather cords and the experimentally made <span class=\"fachbegriff\">b\u00e2ton perc\u00e9<\/span> made of mammoth ivory (photos: T. Boucherat).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nachdem in jedes Loch ein zuvor vorbereitetes Faserb\u00fcndel eingef\u00fchrt und die Dicke der B\u00fcndel \u00fcberpr\u00fcft wurde (der Durchgang durch die L\u00f6cher muss einen Widerstand bieten), wird das Ende jedes Strangs in den Schlitz einer Rolle aus Holz eingef\u00fchrt und fixiert (Abb. 5). Um die Fasern in der Mitte des Holzwerkzeugs vollst\u00e4ndig zu befestigen, wird eventuell pr\u00e4historischer Kleber verwendet oder, durch Befeuchten der Rolle, das Holz zum Aufquellen gebracht. Die Helfer positionieren sich selbst, indem sie ihre Position \u00fcberpr\u00fcfen (20\u00b0-Winkel zwischen den Seilen), der Abstand zwischen ihnen wird sich vergr\u00f6\u00dfern, wenn sie sich r\u00fcckw\u00e4rtsgehend entfernen. Der Lochstab wird auf seinem Tr\u00e4ger fixiert, ein Zugversuch wird durchgef\u00fchrt, die Helfer positionieren sich am Ursprung der L\u00f6cher, um die vorbereiteten Faser-B\u00fcndel zu lenken. Zwei Helfer halten jeweils zwei der losen Str\u00e4nge auf der anderen Seite des Lochstabes fest.<\/p>\n<p>Auf Anweisung des Leiters des Experiments machen die vier Helfer eine erste Drehung gleichzeitig gegen den Uhrzeigersinn mit ihren Rollen mit beiden H\u00e4nden. Es wird gepr\u00fcft, ob alles gut funktioniert, dann bewegen sich die Helfer immer gleichzeitig, um die gleiche Anzahl von Umdrehungen zu erhalten, in ihren jeweiligen Achsen zur\u00fcck; die n\u00e4chste Pr\u00fcfung erfolgt nach 10 Umdrehungen. Es ist unerl\u00e4sslich, die Spannung der verdrillten Litzen zu \u00fcberwachen, um zu verhindern, dass sie sich verheddern. Pr\u00fcfung bei 50 und 100 Umdrehungen: die Helfer m\u00fcssen sich auf einem Kreisbogen mit dem Lochstab als Mittelpunkt befinden. Durch das Verdrehen der Str\u00e4nge wird die L\u00e4nge um ein Viertel der vorbereiteten B\u00fcndel verringert. Wenn der gew\u00fcnschte Abstand erreicht ist, sind die Helfer weit voneinander entfernt, sie bleiben in dieser Position und halten die Spannung aufrecht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1075\" aria-describedby=\"caption-attachment-1075\" style=\"width: 577px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_6-577x800.jpg\" alt=\"Skizze Seilherstellung\" width=\"577\" height=\"800\" class=\"size-large wp-image-1075\" srcset=\"https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_6-577x800.jpg 577w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_6-216x300.jpg 216w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_6-768x1064.jpg 768w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_6-1108x1536.jpg 1108w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_6-1478x2048.jpg 1478w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_6-300x416.jpg 300w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_6-600x831.jpg 600w, https:\/\/kernsverlag.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/boucherat_6.jpg 1680w\" sizes=\"auto, (max-width: 577px) 100vw, 577px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1075\" class=\"wp-caption-text\">Fig. 6: The four twisted strands must be twisted counterclockwise at an angle of 20\u00b0 to each other. The twisted rope from four strands is wrapped again near the <span class=\"fachbegriff\">b\u00e2ton perc\u00e9<\/span> and near the four wooden clamp shafts and thus tied. After releasing it from the brackets, the rope is finished (drawings: T. Boucherat).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Leiter knotet nun die lockeren Str\u00e4nge knapp neben dem Lochstab zusammen. Anschlie\u00dfend kann der Lochstab aus seiner Fixierung gel\u00f6st werden. Dabei muss die Spannung der Litzen aufrecht gehalten bleiben. Nun wird der Lochstab im Uhrzeigersinn gedreht, um die Litzen vollst\u00e4ndig zusammenzuf\u00fchren; so entsteht ein vierstr\u00e4ngiges Seil. Der Mitarbeiter, der den Lochstab festh\u00e4lt, bewegt sich nicht vom Fleck. Durch die Drehbewegung bewegen sich die Drehenden jedoch auf den Mitarbeiter, der den Lochstab h\u00e4lt und aufeinander zu; sie m\u00fcssen den Winkel von 20\u00b0 zueinander halten (Abb. 6). Sie treffen sich, sobald das Seil gedreht ist, am Ende der Arbeitsschritte. Das Seil wird am Ende abgebunden, um ein Aufdrehen des Endes zu verhindern. Alles, das noch zu tun bleibt, ist, den Lochstab durch L\u00f6sen der Verriegelungs\u00adknoten zu l\u00f6sen und eine Abbindung oder, noch besser, einen Endsplei\u00df zu erzeugen.<\/p>\n<h2>Schlussbemerkung<\/h2>\n<p>Die Verwendung dieses Lochstabes eignet sich gut zur Herstellung gro\u00dfer Seile, die sehr stark und widerstandsf\u00e4hig gegen Zeit und Witterung sind und daher besonders n\u00fctzlich f\u00fcr nomadische J\u00e4ger und Sammler. Sie sind in der Ethnologie zum Fangen von Wildtieren oder zum Fesseln von Haustieren (z.B. C\u00e9den camarguais) nachgewiesen. Pr\u00e4historische Menschen haben wahrscheinlich seit Homo erectus elastische Bindungen benutzt, z. B. bei dem Bau von Fl\u00f6\u00dfen. Die ber\u00fchmten Spuren von Seilen aus der Lascaux-H\u00f6hle, die Abb\u00e9 Glory beschrieb, z\u00e4hlen zu den fr\u00fchen Belege f\u00fcr Seile im Jungpal\u00e4olithikum.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung aus dem Franz\u00f6sischen ins Deutsche: Elisabeth Penzel.<br \/>\nWissenschaftliche \u00dcberarbeitung: Sibylle Wolf und Benjamin Sch\u00fcrch.<\/em><\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<p><strong>Bataille<\/strong>, G. und Conard, N. J. 2018: Blade and bladelet production at Hohle Fels Cave, AH IV in the Swabian Jura and its importance for characterizing the technological variability of the Aurignacian in Central Europe. PLoS ONE 13(4): e0194097.<\/p>\n<p><strong>Conard<\/strong>, N. J. und Malina, M. 2016: Au\u00dfergew\u00f6hnliche neue Funde aus den aurignacienzeitlichen Schichten vom Hohle Fels bei Schelklingen. Arch\u00e4ologische Ausgrabungen Baden-W\u00fcrttemberg 2015, 62\u201366.<\/p>\n<p><strong>Conard<\/strong>, N. J. und Rots, V. 2016: Fiber technology, rope-making, textiles and the Lochst\u00e4be from the Aurignacian of the Swabian Jura. Proceedings of the European Society for the study of Human Evolution 5, 67.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nIn an archaeological experiment, the hypothesis was tested whether the replica of a perforated <em>b\u00e2ton perc\u00e9<\/em> with four spiral holes made from mammoth ivory, which was excavated in 2015 at Hohle Fels Cave in Schelklingen, is suitable for making ropes.\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/functional-study-of-an-archaeological-tool-of-mammoth-ivory-with-four-spiral-holes\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Functional Study of an Archaeological Tool of Mammoth Ivory with Four Spiral Holes&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[293,294,304],"tags":[334,320,338,335,337,336],"class_list":["post-1079","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-german","category-mgfu-29","category-open-access-articles","tag-baton-perce","tag-experimental-archaeology","tag-leather-cords","tag-mammoth-ivory","tag-plant-fibers","tag-rope-manufacture","entry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1079","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1079"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1079\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1337,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1079\/revisions\/1337"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1079"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1079"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kernsverlag.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1079"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}